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Warum uneingeschränkte Transparenz in Interessenregistern und Ablehnung jedes Vorteils ein Muss für die ärztliche Profession ist

Artikel 1374 Obwohl Ärzte seit Jahrzehnten zu den angesehensten Berufstätigen in Deutschland gehören, äußern Versicherte oder Patienten, wenn sie nach ihrem Vertrauen in einzelne Tätigkeiten von Ärzten gefragt werden, erheblich weniger Vertrauen als in "den" Arzt. Dies und die andere öffentliche Kritik an der Unabhängigkeit und uneingeschränkten Zuwendung vieler Ärzte zu ihren Patienten, zeigt, dass sich die Angehörigkeiten der Profession Arzt nicht auf ihren Vorschusslorbeeren ausruhen sollten.

Welche Bedeutung Interessenkonflikte für Ärzte haben, warum selbst kleinste Einzelheiten hier eine große Bedeutung spielen können und woran es liegt, dass Ärzte häufig ihr persönliches Risiko für handfeste Interessen- oder Loyalitätskonflikte unterschätzen und was Ärzte präventiv tun können, um nicht als Profession in Misskredit zu geraten, fasste der Regensburger Sozialmediziner David Klemperer jetzt in einem beachtenswerten und vor allem in einem jedem Arzt vorliegenden Publikationsforum, nämlich dem "Deutschen Ärzteblatt", auf wenigen Seiten zusammen (Dtsch Arztebl 2008; 105(40): A-2098 / B-1797 / C-1757).

Zu einem verantwortlichen Umgang mit Interessenkonflikten gehört nach Klemperer zunächst, dass sie überhaupt Interessenkonflikte zwischen sich und ihren Patienten oder dem Kollektiv der Versicherten bei sich selber erkennen bzw. systematisch prüfen, ob ihre eigenen Handlungen nicht solche Konflikte in sich bergen oder in absehbarer Zeit provozieren. Sofern Konflikte oder Loyalitätseinschränkungen erkennbar werden, schlägt Klemperer eine uneingeschränkte Offenheit als Fundament jeder Re-Loyalisierung vor.

Letztere ist für Ärzte deshalb von existenzieller Bedeutung, weil "Patienten erwarten, dass Ärzte, denen sie ihre Gesundheit und ihr Leben anvertrauen, das Gesundheitsproblem bestmöglich im Sinne des primären Interesses lösen und jegliche sekundären Interessen, wie zum Beispiel Eigeninteressen finanzieller Art, hintanstellen. Dies macht die "Seele" von Professionalität aus."

Im Einzelnen weist Klemperer auf folgende Details der Existenz, Wirkweise und des Umgangs mit Interessenkonflikten hin:

• Zunächst sieht er Interessenkonflikte als in Deutschland "allgegenwärtig", beklagt aber, dass sie bisher zu wenig erforscht und diskutiert würden.
• Gegen die oft gehörte These, man wäre so unabhängig, dass selbst monetäre Beeinflussungsversuche durch Pharmafirmen oder andere Interessenten, überhaupt keinen Einfluss hätten und es daher zu gar keinen Konflikten kommen könne, weist Klemperer auf die wissenschaftliche Fundierung dieser Einflussnahmen hin: "Die Beeinflussung der Ärzte erfolgt ... insbesondere durch den Aufbau einer freundschaftlichen Beziehung und Nutzung der Reziprozitätsregel." Es gehört geradezu zum Wesen dieser Beeinflussungsform, dass sich die "Betroffenen ... zumeist nicht einer unangemessenen Beeinflussung bewusst (sind)." - Konkreter bedeutet dies: "Die meisten klinisch tätigen Ärzte nehmen Geschenke und andere Zuwendungen der Industrie an und setzen damit die Reziprozitätsregel in Kraft, die besagt, dass 'wir uns für Gefälligkeiten, Geschenke, Einladungen und dergleichen zu revanchieren haben'. Die Reziprozitätsregel ist tief in allen menschlichen Gesellschaften verwurzelt. Sie ist eine Voraussetzung für sozialen Fortschritt, indem sie Vertrauen gegenüber Mitmenschen schafft und dadurch Gruppenbildung, Arbeitsteilung und die Errichtung von Systemen der gegenseitigen Hilfeleistung ermöglicht."
• Da bereits kleine Gaben diese Art der Abhängigkeit und möglicher Interessenkonflikte schaffen, empfiehlt Klemperer eine Grundhaltung ohne "wenn und aber": Es "wäre ... erforderlich, dass Ärzte in Zukunft keinerlei Geschenke der Industrie mehr annehmen und auf jegliche Finanzierung ihrer Fortbildung durch die Industrie verzichten. Auch die Forschung sollte so gestaltet werden, dass das Streben nach Wahrheit nicht durch kommerzielle Interessen gefährdet wird - dies erfordert grundlegende, politisch zu beschließende Veränderungen der Forschungsfinanzierung."
• Sofern dies doch nicht funktioniert sollte aber "ein öffentlich nachvollziehbarer und Vertrauen schaffender Umgang mit Interessenkonflikten" unabdingbar sein. Dazu sollten Ärzte die Transparenzform von öffentlichen Interessenregistern nutzen, was zunächst unbeteiligten Dritten eine Beurteilung der Interessenkonflikte der Ärzte ermöglicht. Wie ein solches Interessenregister aussehen kann und wie unaufwändig Transparenz und Vertrauen geschaffen werden kann, ermöglicht der Ärzteblatt-Autor Klemperer jedem Leser an seinem persönlichen Beispiel nachvollziehen zu können.

Nachtrag: Das Modell des Interessenregisters ist durchaus auch für die Angehörigen anderer gehobenen Berufe oder Professionen wie beispielsweise Wissenschaftler, Krankenkassen-Vorstände oder Führungskräfte von Wohlfahrtsverbänden geeignet.

Den "Ärzteblatt"-Beitrag "Interessenkonflikte. Gefahr für das ärztliche Urteilsvermögen. Ein öffentlich nachvollziehbarer und Vertrauen schaffender Umgang mit Interessenkonflikten ist eine unabdingbare Anforderung, will man das Ansehen und den gesellschaftlichen Status des Arztberufs erhalten" von David Klemperer ist für die Nicht-Zwangsbezieher des Ärzteblatts kostenlos u.a. als PDF-Datei erhältlich.

Bernard Braun, 25.10.08