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Epidemiologie
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Nicht die Familie, aber Freundschaften erhöhen bei Älteren die Lebenserwartung

Artikel 0184 Eine australische Längsschnitt-Untersuchung über einen Zeitraum von 10 Jahren hat jetzt gezeigt, dass ein Netzwerk guter sozialer Kontakte und Freundschaften dazu beiträgt, die Lebenserwartung Älterer zu verlängern. Für familiäre Kontakte (Verwandte, Ehepartner, Kinder) konnte ein solch positiver Effekt auch bei sehr intensiven sozialen Beziehungen in der Familie nicht aufgezeigt werden. In die Studie einbezogen waren über 1.500 Teinehmer im Alter von 70 Jahren oder darüber. In Telephon-Interviews wurde seit dem Jahr 1992 wiederholt untersucht, welche Art und Qualität sozialer Kontakte bestanden: Telefonkontakte und persönliche Begegnungen, zu Kindern, Partnern und Freunden. Kontrolliert wurden in der Studie auch wichtige Rahmenbedingungen wie Schichtzugehörigkeit, Gesundheitszustand und gesundheitliches Risikoverhalten.

Als überraschendes Ergebnis zeigte sich, dass Senioren mit sehr intensiven Kontakten und einem dichten sozialen Netzwerk andere Senioren mit wenig Freunden nach einem Zeitraum von 10 Jahren um 22% überlebt hatten, das heißt: Die Sterbequote betrug in der Gruppe mit vielen Freunden nur 78% im Vergleich zu 100% in der Gruppe mit den wenigsten Freunden. Für die Intensität familiärer Kontakte hingegen konnten keine solchen Einflüsse festgestellt werden. Kontrolliert wurden auch Stressfaktoren und belastende Erfahrungen wie der Tod des Ehegatten oder der Gattin.

Eine der Wissenschaftlerinnen, Lynn Giles, erklärte zu den Ergebnissen, dass familiäre Kontakte nicht bedeutungslos seien. Eine separate Analyse hätte gezeigt, dass diese einen erheblichen Einfluss auf Behinderungen und Handicaps haben - allerdings nicht auf die Lebenserwartung. Dieser Effekt sei vermutlich daraus erklärbar, dass das soziale Netzwerk sehr starken Einfluss auf das Gesundheitsverhalten (Rauchen, Ernähtrung) habe, aber auch bedeutsam sei in Notfallsituationen, wenn medizinische Hilfe benötigt wird. Ebenso können Freundschaften sich sehr positiv auf das Lebensgefühl und die Selbstachtung auswirken.

Die Studie wurde durchgeführt am "Centre for Ageing Studies" an der Flinders University im australischen Adelaide. Sie basiert auf der "Australian Longitudinal Study of Ageing (ALSA)". Veröffentlicht wurde der Artikel im Journal of Epidemiology and Community Health, frei zugänglich ist ein Abstract: Effect of social networks on 10 year survival in very old Australians.

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse findet sich hier: News-Medical.Net: Make Friends, Live longer

Gerd Marstedt, 20.11.2005