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Anzahl älterer Arbeitnehmer mit Wechselschicht nimmt zu - schlechter Gesundheitszustand ebenfalls

Artikel 2306 Sowohl wegen des tendenziellen Rückgangs der Anzahl jüngerer Arbeitskräfte und damit auch der Facharbeitskräfte als auch wegen der sozialen, finanziellen und gesundheitlichen Nachteile von Berufs- und Erwerbsunfähigkeit vor dem Erreichen des normalen Altersrentenalters, nehmen die Appelle, auch über 50-Jährigen noch zu beschäftigen, seit Jahren zu. Diese Appelle zeigen in einigen Untergruppen der älteren Arbeitnehmer (z.B. der 60-bis 65-Jährigen) auch langsam Wirkung. Bei einigen der wichtigen Voraussetzungen für "gute Arbeit" in diesem Lebensalter, beispielsweise der altersspezifischen Gesundheitsförderung und Weiterbildung bewegt sich allerdings relativ wenig.

Und auch bei einem der wesentlichen Merkmale von Arbeit, der Arbeitszeitform, gibt es Entwicklungen, welche speziell ältere Arbeitnehmer eher belasten als entlasten. Ob dies für die Schichtarbeitsform der Wechselschicht gilt, haben jetzt WissenschaftlerInnen des "Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)" der Bundesagentur für Arbeit mit Daten von 6.585 im Rahmen des Projekts "lidA - leben in der Arbeit. Kohortenstudie zu Gesundheit und Aelterwerden in der Arbeit" befragten Personen der Geburtsjahrgänge 1959 und 1965 untersucht.

Die wesentlichen Ergebnisse lauten:

• "Die Zahl der über 50-Jährigen in Schichtarbeit hat sich im vergangenen Jahrzehnt mehr als verdoppelt (1998: 594.000 - 2011: 1,29 Millionen). Dieser Anstieg ist sowohl auf das Altern der geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre als auch auf eine Ausweitung der Schichtarbeit im Dienstleistungssektor zurückzuführen." 2011 arbeiteten 13% der 50- bis unter 65-Jährigen dauernd oder regelmäßig in Wechselschicht. Bei den 20- bis unter 35-Jährigen machten dies 18%.
• "Schichtarbeit kann mit gesundheitlichen Problemen verbunden sein: So weisen Beschäftigte in Schichtarbeit einen schlechteren körperlichen Gesundheitszustand auf und geben häufiger Schlafstörungen an als Beschäftigte mit normalen Arbeitszeiten."
• "Schichtarbeitende sind öfter in Arbeiterpositionen tätig und berichten häufiger von körperlichen und psychischen Arbeitsbelastungen. Außerdem erfahren sie weniger Anerkennung durch Vorgesetzte."
• Auch wenn mit dieser Querschnittststudie keine kausalen Analysen möglich sind, zeigen mehrere multivariate Analysen, dass nicht die Schichtarbeit als Einzelfaktor mit einem schlechteren Gesundheitszustand assoziiert ist. Vielmehr ist "Schichtarbeit vor allem deshalb mit einem schlechteren Gesundheitszustand assoziert", weil Schichtdienstbeschäftigte an Arbeitsplätzen "mit starker körperlicher Belastungen, psychischer Verausgabung und mangelnder sozialer Unterstützung" beschäftigt sind. Sie sind ihr Arbeitsleben überwiegend als Arbeiter tätig auch daher auch in jüngerem Alter höheren Belastungen ausgesetzt als z.B. Angestellte.
• Weitere Erkenntnisse versprechen sich die AutorInnen dann, wenn es weitere Befragungswellen gibt.

Diese Studie zeigt noch zwei generellere Phänomene: Wer aus welchen Gründen auch immer an einer möglichst langen Beschäftigung älterer Arbeitnehmer in guter Gesundheit interessiert ist, muss auch etwas an den Arbeitsbedingungen oder -belastungen in jüngeren Jahren ändern. Auch wenn Arbeit in Wechselschicht allein nicht die befürchtete negative Wirkung auf die älteren Arbeitnehmer hat, sollte ein altersgerechter Arbeits-und Gesundheitsschutz nicht nur den Zuwachs an Schichtarbeit bei älteren Arbeitnehmern bremsen, sondern auch ihren Sockel abbauen und altersangemessene Arbeitsinhalte und -formen entwickeln.

Die Studie Beschäftigte an der Schwelle zum höheren Erwerbsalter Schichtarbeit und Gesundheit von Carina Leser, Anita Tisch und Silke Tophoven ist als IAB-Kurzbericht 31/2013 erschienen, umfasst 8 Seiten und kann kostenlos bezogen werden.

Bernard Braun, 22.11.13