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Die Lebensqualität Älterer wird mit zunehmender Multimorbidität schlechter - aber weniger klar als erwartet

Artikel 1745 Je mehr Krankheiten älter werdende Personen haben, desto schlechter ist ihre selbst wahrgenommene Lebensqualität. Hinter diesem zentralen Ergebnis einer Ende 2009 veröffentlichten Studie des Gesundheitszustandes und der Lebensqualität älterer deutscher Personen verbergen sich allerdings mehrere unerwartete Teilergebnisse. Offenkundig wurde dort aber auch, dass Morbiditätsmerkmale bei einer methodisch fundierten und detaillierten statistischen Analyse nur wenig zur Erklärung der Lebensqualität beitragen.

In der Studie wurden Lebensqualitäts- und Gesundheitsdaten von Angehörigen einer Patientenkohorte, des so genannten "getABI - German Epidemiological Trial on Ankle Brachial Index", untersucht (Durchschnittsalter 76 Jahre, 46% männlich). Die TeilnehmerInnen wurden im Herbst 2001 in 344 für die Primärversorgung repräsentativen Hausarztpraxen rekrutiert. Je Praxis wurden durchschnittlich 20 geeignete Personen ausgewählt. Die per Telefoninterviews zu ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität und einigen soziodemografischen Aspekten befragte Untersuchungsgruppe umfasste dann 2.120 Personen.

Die Daten zur Lebensqualität wurden mit zwei vielfach erprobten Instrumenten, dem EQ-5D der EuroQol-Gruppe und dem SF-8-Fragebogen (Short Form 8 Health Survey) erhoben. Die Daten über den Gesundheitszustand lieferten die Hausärzte der StudienteilnehmerInnen. Der EQ-5D ist ein standardisiertes, krankheitsunspezifisches Messinstrument das die fünf Dimensionen "Beweglichkeit/Mobilität", "für sich selbst sorgen", "alltägliche Aktivitäten", "Schmerzen/körperliche Beschwerden" sowie "Angst/Niedergeschlagenheit" mit jeweils drei möglichen Antwortkategorien umfasst. Die Einzelangaben werden zu einem Gesamtwert zusammengefasst. Der SF-8-Fragebogen ermöglicht die Erstellung eines Gesundheitsprofils mit acht Fragen: Allgemeine Gesundheitswahrnehmung, körperliche Funktionsfähigkeit, körperliche Rollenfunktion, Schmerz, Vitalität, soziale Funktionsfähigkeit, emotionale Rollenfunktion und psychisches Wohlbefinden.

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Studie zählen folgende Zusammenhänge:
• Mit der zunehmenden Anzahl von Krankheiten sinkt die gesundheitsbezogene Lebensqualität älterer Personen statistisch signifikant ab. Dabei schränken körperliche Aspekte das Wohlbefindens stärker ein als mentale.
• 37% der TeilnehmerInnen haben Probleme mit ihrer Mobilität, 4% mit der Selbstsorge, 15% mit allgemeinen Tätigkeiten, 23% mit Angst oder Niedergeschlagenheit, aber 65% mit Schmerzen.
• Insgesamt betrachtet ist es auch die Anzahl der Erkrankungen und weniger das Alter, die mit der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zusammenhängt.
• Die Analyse der Einzelerkrankungen zeigt erwartungsgemäß, dass vor allem kardiovaskuläre (z.B. Herzinfarkt) und zerebrovaskuläre (z.B. Schlaganfall) Ereignisse in den letzten zwei Jahren, eine chronische periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK, Verengungen der Arm- oder Beinarterien mit der Folge von Durchblutungsstörungen) sowie Beeinträchtigungen des Bewegungsapparates signifikanten Einfluss auf die Lebensqualität nehmen.
• Bei einigen Personengruppen mit schweren Gesundheitsproblemen wie etwa einer Krebserkrankung sieht die Lebensqualität aber - so nicht erwartet - nicht besonders schlecht aus.
• Gesundheitsrelevante Ereignisse wie z.B. Krankenhausaufenthalte wegen einer psychischen Erkrankung, eines kardio- oder zerebrovaskulären Ereignisses oder Blutungen im Magen-/Darmtrakt wirken sich stärker auf die Lebensqualität aus als chronische Erkrankungen.

Insgesamt werden mit dieser Studie eine Reihe von meist im Ausland gewonnener Erkenntnisse für Deutschland bestätigt und zum Teil erweitert. Erfreulich und wichtig ist schließlich ein Ergebnis, das zeigt: Die ausgewählten Erkrankungen und gesundheitsrelevanten Ereignisse haben eine durchweg sehr geringe Erklärungskraft für Unterschiede in der Lebensqualität. (Statistisch ausgedrückt ist der korrigierte R-Quadrat-Wert mit 0,079 beim EQ-5D, 0,11 bei den körperlichen Dimensionen des SF-8 und 0,021 bei den mentalen Dimensionen des SF-8 extrem niedrig.) Inhaltlich bedeutet dies, dass andere, nicht im Modell berücksichtigten Faktoren für die Erklärung der Lebensqualität wesentlich bedeutender sind als die hier beachteten.

Die Ansicht der Autoren, dabei handle es sich hauptsächlich um weitere Krankheiten, führt nach den bisherigen Erkenntnissen über die Bedeutung häufiger und auch dramatischer Krankheiten wahrscheinlich nicht wesentlich weiter. Zumindest sollten künftig beispielsweise Erwartungen der PatientInnen an das Alter, ihre Alter(n)sbilder, ihre Eigenkonzepte zum Umgang mit Krankheit (z.B. Selbstwirksamkeits- oder Kontrollerwartung), Coping-Stile und auch psychosoziale Bedingungen mitberücksichtigt werden.

Eine wichtige Schlussfolgerung aus den Studienergebnissen ist, dass sich eine bedarfsgerechte Versorgung nicht nur auf einzelne Hauptdiagnosen konzentrieren, sondern immer auch das Gesamtbild der Morbidität - unter systematischer Berücksichtigung von Faktoren der Lebensqualität - berücksichtigen sollte.

Hier ist ein Abstract der Studie: J.M. Hodek, A. Ruhe, W. Greiner (2009): Gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Multimorbidität im Alter (Bundesgesundheitsblatt 2009; 52: 1188-1201)


Bernard Braun, 28.2.10