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Epidemiologie
Ältere, Altersaspekte


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Befragung von Senioren: Auch 70jährige und Ältere fühlen sich überwiegend noch jung

Artikel 1646 Der gerade vom Robert-Koch-Institut (RKI), dem Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) und vom Statistischen Bundesamt herausgegebene Bericht über "Gesundheit und Alter" stellt fest, dass die im Bericht breit dargelegten "Ergebnisse auf eine Zunahme der Lebenserwartung in Gesundheit" hindeuten und "die Verschlechterung der subjektiven Gesundheit keiner altersinhärenten Gesetzmäßigkeit" folgt. Welche Einstellung ältere Menschen aber zu ihrem Älterwerden und ihrer subjektiven Gesundheit haben und wie aufgeschlossen sie Gesundheitsförderung sehen, findet man erst in einer anderen aktuellen Studie: Die Mehrheit der 950 Teilnehmer einer standardisierten Befragung äußert positive Einstellungen zu Alter und Gesundheit. Basis der Studie war eine repräsentative Zufallsstichprobe von über dreitausend 60-jährigen und älteren Personen eines Hamburger Stadtbezirks. Auftraggeber und potenzieller Nutzer der Ergebnisse war die mit dem Hamburger Landespflegegesetz ins Leben gerufene bezirkliche Gesundheits- und Pflegekonferenz.

Im Einzelnen fühlten sich die durchschnittlich 71,5 Jahre alten Befragten, darunter 58% Frauen, 34% allein Lebende und 5% Pflegebedürftige, zu 69% "jung" oder "noch nicht alt" und das gewünschte kalendarische Lebensalter betrug im Durchschnitt 88 Jahre. Zwei Drittel bezeichneten ihren gesundheitlichen Allgemeinzustand als gut (59%) oder auch ausgezeichnet (8%).
Trotzdem sorgten sich 85% um ihre zukünftige Autonomie, 75% um ihre künftige Gesundheit und jeweils rund ein Drittel der Befragten hatte Sorgen vor Gewalt, finanziellen Problemen oder einem Umzug ins Pflegeheim. Mit Terrorängsten und Vereinsamungsängsten hatte jeder Vierte bis Fünfte der befragten Senioren zu ringen.

Bei den Fragen zu gesundheitsförderlichen Verhaltensweisen gab es ein durchwachsenes Bild: Zwar fühlte sich die Mehrheit der Befragten hierzu gut informiert, aber bei einigen Fragen war der Anteil der Unentschlossenen oder der Personen, die z.B. gezielte Fragen nach ihrem Essverhalten nicht beantworteten, mit bis zu einem Drittel sehr hoch. Zusätzlich gab es eine Reihe "änderungsbedürftiger Einstellungen". 42% verneinten, sich zum Schutz ihrer Gesundheit auszuruhen oder antworteten dazu gar nicht und 46% nahmen nicht die jährliche Grippeschutzimpfung in Anspruch. Je nach Fragestellung besaßen auch relativ viele Befragte eine fatalistische Lebensweise: 63% bejahten, ihre Krankenkasse solle für ihre Gesundheit zahlen und 48% waren der Ansicht, das Schicksal entscheide über ihre Zukunft und sie könnten nichts tun.

Die Einstellung zu Seniorentreffs war zurückhaltend und die Inanspruchnahme eher gering: So kannten oder nutzten sie 51% der Befragten deshalb nicht, weil sie sich als zu aktiv (51%) oder jung einschätzten (42%) oder keine Zeit hatten (21%).
Die Wissenschaftler sehen mit ihrer Befragung eine Reihe von Informationslücken für kommunale Einrichtungen geschlossen und halten sie für eine wichtige Planungsgrundlage - u.a. auch für eine Befragung der gesamten älteren Bevölkerung Hamburgs.

Die Anonymität der Befragung führte zu zwei Mängeln, die zu inhaltlichen Verzerrungen geführt haben könnten: Es gab keine Möglichkeit einer Erinnerung der angeschriebenen Personen ihren Fragebogen auszufüllen und außerdem keine Möglichkeit, die Gründe der eher geringen Teilnahme (Rücklaufquote 29%) zu hinterfragen.

• Zum Aufsatz von Ulrike Dapp et al. (erschienen in der Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Volume 42, Number 3 / Juni 2009) gibt es kostenlos lediglich ein Abstract: "Im Alter aktiv und gesund leben - Ergebnisse einer repräsentativen Seniorenbefragung in Hamburg"
• Der 2009 in der Reihe "Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes" erschienene 323-seitige Untersuchungsband "Gesundheit und Krankheit im Alter" von Böhm (Statisisches Bundesamt), Tesch-Römer (DZA) und Ziese (RKI) ist komplett und kostenlos als PDF-Datei erhältlich: "Gesundheit und Krankheit im Alter"

Bernard Braun, 23.9.09