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Epidemiologie
Ältere, Altersaspekte


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Wir werden immer älter! Oder ist der Zenit der steigenden Lebenserwartung vielleicht schon überschritten?

Artikel 0795 "Wir werden immer älter, und die Lebenserwartung in Deutschland wird sich auch in den kommenden Jahrzehnten weiter erhöhen. Setzt sich der beobachtete Trend fort, so könnte die Lebenserwartung deutlich stärker ansteigen als es die offiziellen Prognosen vermuten lassen: Im Jahr 2050 läge sie hierzulande dann über 90 Jahre." So oder so ähnlich wie in dieser Meldung des Zentrums für Demografischen Wandel "Immer älter und kein Ende in Sicht" ist der Tenor der Zukunftsprognosen, in der Epidemiologie, der Demographie, der Gesundheitsökonomie und -politik. Die Heraufsetzung des Rentenalters wurde mit der unaufhaltsam steigenden Lebenserwartung ebenso begründet wie gesundheitspolitische Schreckens-Szenarios heraufbeschworen wurden: Die Krankheitskosten einer vermeintlich schon bald vergreisten Bevölkerung werden als nicht mehr bezahlbar dargestellt, so dass mehr privat finanzierte Vorsorge als unabdingbar empfohlen wird.

Ein wenig zu denken geben sollten in Anbetracht eines verklärten Blicks in die Zukunft, in der wir 80, 90 oder 100 Jahre alt werden, andererseits die in jüngster Zeit gehäuften Meldungen über eine immer kränkere Bevölkerung, die schon im Jugendalter adipös ist, im mittleren Alter aus lauter Diabetikern besteht und spätestens zu Rentenbeginn an Alzheimer oder Parkinson erkrankt ist. Denn schließlich sind schon unsere "Kinder in alarmierender Gesundheitsverfassung", meldet der Bielfelder Jugendforscher Klaus Hurrelmann. Forscher der John Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore sagten jetzt mithilfe einer Computersimulation auf der Basis von Bevölkerungsprognosen der Vereinten Nationen voraus, dass sich die Anzahl der Alzheimer-Erkrankten bis zum Jahr 2050 vervierfachen wird und wir einer globalen Alzheimer-Epidemie entgegensehen. Und die Weltgesundheitsorganisation hat bis zum Jahr 2030 einen Anstieg der Diabetes-Erkrankungen um 39 Prozent vorhergesagt, wobei dies noch eine deutliche Unterschätzung des Problems sein könnte. Denn nach einer Studie im Lancet ("Trends in diabetes prevalence, incidence, and mortality in Ontario, Canada 1995-2005: a population-based study" wurde im kanadischen Staat Ontario der vorhergesagte Wert bereits im Jahr 2005 überschritten.

Unaufhaltsam steigende Lebenserwartung trotz ebenso rasanter Verbreitung chronischer Erkrankungen? Offensichtlich ist der Glaube an den medizinisch-technischen Fortschritt und daraus resultierende zukünftige Heilungschancen für eine Vielzahl von Erkrankungen ebenso ungebrochen wie der feste Glaube, dass Präventionsmaßnahmen es schon richten werden. Nach dem Großangriff auf das Rauchen steht derzeit das Übergewicht auf der Agenda und weitere Kampagnen, nicht nur zum Alkohol-Abusus und Drogenkonsum sind absehbar. Leider fehlt es bislang an überzeugenden Belegen, dass die eingesetzten Präventionsmaßnahmen und Interventionsprojekte auch flächendeckend wirksam sein könnten.

Ein großes Fragezeichen hat jetzt eine US-amerikanische Studie hinter die These gesetzt, dass die Lebenserwartung zumindest in den westlichen Wohlstandsgesellschaften auch weiterhin nachhaltig anwächst. Die Wissenschaftler halten es für möglich (wenngleich ebenso unbewiesen wie die gegenteilige Annahme), dass der Zenit der steigenden Lebenserwartung bereits überschritten ist. An der University of Pennsylvania und der Carleton University verglichen sie bei einer Stichprobe von über 20.000 US-Amerikanern deren Angaben über den eigenen Gesundheitszustand miteinander. Dabei wurden verschiedene Jahrgangsgruppen einander gegenübergestellt. Begonnen wurde mit den Befragungen im Jahr 1992, alle zwei Jahre wurden die Umfragen wiederholt. Verglichen wurden so die Angaben von drei Geburtsjahrgängen: 1936-41 (heute etwa 66-71 Jahre alt), 1942-47 (heute 60-65) und 1948-53 (heute 54-59).

Im Vergleich der Antworten aus den drei Jahrgangsgruppen zeigten sich dann deutliche Unterschiede, und zwar derart, dass die heute Fünfzigjährigen in deutlich schlechterer gesundheitlicher Verfassung sind als es die übrigen beiden Generationen in diesem Alter waren, sie berichten über mehr Schmerzen und haben auch größere Schwierigkeiten mit einfachen körperlichen Alltagsverrichtungen (wie Treppensteigen, Heben von Lasten usw.). Überdies liegen bei ihnen nach eigener Angabe häufiger chronische Erkrankungen, psychische Störungen und auch Alkoholprobleme vor - im Vergleich zu früheren Generationen in derselben Lebens- und Altersphase.

Zwar könnte es sein, dass die festgestellte schlechtere gesundheitliche Verfassung auch ein Effekt einer anderen Wahrnehmung ist: Möglicherweise ist die Symptomtoleranz der Jüngeren niedriger, fühlen sie sich auch dann schon als "krank", wenn ältere Generationen dies lediglich als Unpässlichkeit definieren würden. Gleichwohl könnten die Studienergebnisse zumindest zu einer Diskussion beitragen, bei der der Fortschrittsoptimismus in Sachen Lebenserwartung nicht mehr als Automatismus wahrgenommen wird oder als selbstverständlicher Erfolg eines auch für die Zukunft absehbaren medizinisch-technischen Fortschritts.

• Hier ist eine Pressemitteilung mit den wichtigsten Befunden: Could Baby Boomers Be Approaching Retirement in Worse Shape Than Their Predecessors?
• Hier findet man ein Abstract der Studie: Cross-Cohort Differences in Health on the Verge of Retirement - National Bureau of Economic Research Working Paper (Die komplette Studie ist kostenpflichtig)

Gerd Marstedt, 11.7.2007