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Gesundheitssystem
Finanzierung und Kosten, Lohnnebenkosten


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Der "Abschwung vor dem Abschwung" oder sinkende bzw. stagnierende Brutto- und Nettolohnquote bei Höchststand der Gewinnquote

Artikel 1421 Die Bezieher verschiedener Einkommensarten gehen mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen in den wirtschaftlichen Abschwung. So hat die Gewinn-/Vermögensquote am Volkseinkommen nach den aktuellsten verfügbaren Daten einen neuen Höchststand erreicht. Dagegen sinkt der Anteil der Arbeitseinkommen selbst in der Spätphase des Aufschwungs.

Das zeigt der gerade erschienene "Verteilungsbericht 2008 des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Der Verteilungsbericht erscheint verfasst von Claus Schäfer unter der Überschrift "Anhaltende Verteilungsdramatik - WSI-Verteilungsbericht 2008" im Heft 11+12/2008 der WSI Mitteilungen (S. 587-596).

Die Einkommen aus Gewinnen und Vermögen sind in Deutschland brutto wie netto noch einmal gestiegen und erreichen einen historischen Spitzenwert: 2007 machten sie netto 34 Prozent des privat verfügbaren Volkseinkommens aus, im ersten Halbjahr 2008 waren es 35,8 Prozent. 1960 hatte diese Einkommensart noch einen Anteil von 24,4 Prozent, 1990 waren es 29,8 Prozent und im Jahr 2000 lag die Quote bei 30,8 Prozent. Besonders stark wuchsen dabei zuletzt die Unternehmensgewinne und vor allem die Gewinne von Produktionsunternehmen. Da nach den Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) lediglich rund vier Prozent der Erwachsenen in Deutschland Betriebsvermögen besitzen, kommen die Gewinne einem sehr kleinen Personenkreis zu gute.

Dagegen hat selbst der Aufschwung in seiner Spätphase den langjährigen Schwund beim Kaufkraft- und Beitragsschöpfungspotenzial der Arbeitseinkommen nicht umgekehrt:

• Die Lohnquote (umfasst Einkommen aus abhängiger Arbeit und die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung) ging brutto von 71 % (1991) über einen zwischenzeitlichen Höchststand von 72,2 % (2000) auf 64,8 % in 2007 sowie auf 63,7 % im ersten Halbjahr 2008 weiter zurück.
• Netto - nach Abzug von Steuern und Beiträgen - stieg die Lohnquote zwar 2007 im Vorjahresvergleich etwas an - auf 41,2 Prozent. Sie ist jedoch im ersten Halbjahr 2008 mit 39,3 Prozent bereits wieder unter das Niveau von 2006 gesunken, als es 40,6 Prozent waren. Vor 1990 erreichte die Nettolohnquote jahrzehntelang noch ein Niveau von über 50 Prozent.
• Die Beitragsbelastung der Bruttolöhne und -gehälter stieg von 14,3 % in 1991 über 16,1 % in 2000 auf 17,5 % im 1. Halbjahr 2008 an. Ganz anders sieht das Niveau und die Entwicklung der Belastung der Gewinn- und Vermögenseinkommen durch Sozialbeiträge aus: Sie fiel von 3,1 in 1991 über 3,5 %in 2000 auf 2,4 % in 2008.

Die Tatsache, dass es selbst in einem wirtschaftlichen Aufschwung nicht gelingt die Quote der Einkommen aus abhängigen Arbeit zu erhöhen, hat vor allem den Grund, dass hinter der Zunahme der Beschäftigungszahlen oftmals schlecht bezahlte Voll- oder Teilzeitjobs stecken, d.h. auch die Anzahl der so genannten Vollzeit-Äquivalenzarbeitsplätze nicht spürbar zunimmt. Damit verfestigt sich aber auch die Einkommensschwäche der Sozialversicherungsträger, die sich vor allem aus Beiträgen aus Bruttoeinkommen finanzieren - egal, ob das künftig in der GKV durch den Gesundheitsfonds oder bisher durch jede Krankenkasse individuell erledigt wurde.

Eine knappe Zusammenstellung von Daten und Schlussfolgerungen des WSI-Verteilungsberichts 2008 enthält eine kostenlos erhältliche Presseerklärung von 6 Seiten.
Wer die 10 Seiten umfassende Aufsatzversion des Verteilungsberichts studieren will, erhält sie ebenfalls kostenlos. Beide Publikationen enthalten reichhaltige Tabellen zur Entwicklung der genannten und weiterer Indikatoren.

Bernard Braun, 28.11.08