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Gesundheitssystem
Finanzierung und Kosten, Lohnnebenkosten


Verantwortungsvolle Gesundheitsfinanzierung: Verfahren und Gestaltung gleichermaßen wichtig (25.5.17)
Trotz Boom: Fast 40% atypisch Beschäftigte. Negative Folgen für die Finanzierung der Sozialversicherungsleistungen! (19.5.17)
Deutschland: Platz 15 im EU-Vergleich der Lohnnebenkosten oder wie wenig gefährden sie den Wirtschaftsstandort (5.5.15)
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Fachgesellschaft der Gesundheitsökonomen pfeift auf wissenschaftliche Empirie (13.1.11)
Trotz Aufschwung: Auch 2010 stagniert die Bruttolohnquote als eine Basis der GKV-Einnahmen auf dem erreichten niedrigen Niveau (5.12.10)
Weltgesundheitsbericht 2010 der WHO: Der Weg zu universeller Sicherung (26.11.10)
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Gesundheits-Markt-Expertise der Deutschen Bank (2.6.10)
Studie zu Risiken und Nebenwirkungen von Zuzahlungen in Deutschland (28.4.10)
2009: Deutschland belegt in der EU erneut Mittelplätze bei den Arbeits- und Lohnnebenkosten. (30.3.10)
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Produktionsverlagerungen ins Ausland und "zu hohe" Lohnnebenkosten? Aktuelle Industriedaten zur Verlagerung und Rückverlagerung

Artikel 2200 Die zum gesundheitspolitischen Standardrepertoire der Arbeitgeber und den ihnen nahestehenden Politiker und Wissenschaftler in Deutschland gehörende Lohnnebenkostendebatte suggeriert, insbesondere der Arbeitgeberanteil an den Sozialversicherungsbeiträgen sei so hoch, dass der "Wirtschaftsstandort Deutschland" kostenmäßig im internationalen Wettbewerb immer weniger bestehen könne. Unternehmen, die weiterexistieren wollen bliebe nichts anderes übrig, als ihre Produktion ins billigere Ausland zu verlegen. Die jahrzehntelange Welt- und Vizeweltmeisterschaft beim Export, die anders als bei vielen "Konkurrenten" Deutschlands seit Jahren stagnierenden Lohnstückkosten und nicht zuletzt die wiederum im internationalen Vergleich stabile aktuelle wirtschaftliche Situation zeigen, dass in der Lohnnebenkostendebatte zum Teil mit falschen Karten gespielt wird. Trotzdem zeigt die Debatte Wirkung, d.h. der Arbeitgeberbeitrag zu GKV-Beiträgen ist seit Jahren eingefroren, die Lohneinkommen bewegen sich insgesamt seit über 10 Jahren nur so leicht nach oben, dass EZB wie OECD darin eine Gefahr für die konjunkturelle Entwicklung in Europa sehen und der Anteil dauerhafter Niedriglohneinkommen aus "atypischer Beschäftigung" verfestigt sich auf relativ hohem Niveau immer mehr.

Über die Wirklichkeit der Abwanderung von Arbeitsplätzen aus Deutschland in Niedriglohnländer gibt die aktuelle Ausgabe einer vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) und der Hochschule Karlsruhe im Auftrag des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) durchgeführten Erhebung "Produktionsverlagerungen und Auslandsproduktion" bei maximal 1.600 Betrieben der Metall- und Elektroindustrie (M & E) und des Verarbeitenden Gewerbes (VG) Auskunft.

Danach ergibt sich folgendes Bild:

• Der Anteil der Betriebe der M & E-Industrie, die zwei Jahre vor der Befragung eine Verlagerung realisiert hatten, stieg von 17% im Jahr 1995 auf ein Maximum von 27% im Jahr 1999. Von diesem Jahr an nahm der Anteil von Betrieben mit Verlagerungen ins Ausland, abgesehen von einem Zwischenhoch von 25% im Jahr 2003, kontinuierlich auf 11% im Jahr 2012 ab.
• Dieser Anteil sank im VG in den Jahren 2006 bis 2012 von 15% auf 8%.
• Zu den Gründen dieser Produktionsverlagerungen zählten bei 72% der Produktionsverlagerer vor allem die Personalkosten. Der zweitwichtigste Grund waren bei 29% die Markterschließung und bei 26% die Kundennähe.
• Der Anteil der M & E-Betriebe, die zwei Jahre vor der Befragung ihre ausgelagerten Betriebe wieder nach Deutschland zurückverlagerten, schwankte schon immer zwischen 4% und 6%. Bei insgesamt geringerer Verlagerung stabilisierte sich der Anteil der rückverlagernden Betriebe auf 2% bis 3%.
• In den Jahren 2006 bis 2012 verlagerten ebenfalls 2% bis 3% aller VG-Betriebe ihre ausländischen Produktionsstandorte wieder zurück. Als Gründe für diese Rückverlagerung gaben diese Betriebe Flexibilitätseinbußen (59 %) und Qualitätsprobleme (52 %) an den ausländischen Standorten an.

Auch wenn die Gründe für Rückverlagerungen sicherlich noch etwas komplexer sind (z.B. Anstieg der Lohnkosten in den lange beliebten südosteuropäischen Ländern), erweist sich das "Gespenst" des Arbeitsplatzexportes auch als weniger fürchterlich als es die Protagonisten eines weiteren Abbaus der Lohnnebenkosten erscheinen lassen wollen.

Dabei bleibt noch völlig unberücksichtigt, dass Lohnkosten in der M & E-Industrie oder im VG nur noch durchschnittlich 20%der Gesamtkosten ausmachen, also z.B. die gesamten GKV-Arbeitgeberbeiträge nur noch mit höchstens 1% zu den Gesamtkosten beitragen.

Die Ergebnisse der Befragung sind am 18.12.2012 unter dem Titel ""made in Germany" oder Niedriglöhne? Produktionsverlagerung und Auslandsproduktion. Produktionsverlagerungen auf niedrigstem Stand seit 18 Jahren" veröffentlicht worden. Kostenlos erhältlich sind die Presseerklärung und eine Grafikpräsentation.

Bernard Braun, 31.12.12