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Gesundheitssystem
Finanzierung und Kosten, Lohnnebenkosten


Verantwortungsvolle Gesundheitsfinanzierung: Verfahren und Gestaltung gleichermaßen wichtig (25.5.17)
Trotz Boom: Fast 40% atypisch Beschäftigte. Negative Folgen für die Finanzierung der Sozialversicherungsleistungen! (19.5.17)
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Verborgene Kosten des Gesundheitssystems der USA. 15,4% aller Kosten sind unbezahlte gesundheitsbezogene Tätigkeiten (17.12.12)
Warum selbst Arbeitgeber im Moment nicht so richtig über die Last zu hoher Lohnnebenkosten durch die Sozialversicherung klagen ? (3.12.12)
Die Tücken des Wettbewerbs: Sondergutachten 2012 des Gesundheits-Sachverständigenrates (22.7.12)
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Angriff der Refeudalisierer (2.2.12)
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Neues und Fundiertes zur Kritik der schwarz-gelben Gesundheitspolitik (3.12.11)
Zuzahlungen in Entwicklungsländern: Viel Klamauk, wenig Substanz (28.10.11)
Neues aus der Bildungsforschung: Der besonders hohe Nutzen von Hochschulabsolventen für die Sozialbeiträge in Deutschland (22.9.11)
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Lasst die "Sau am besten im Stall"! Verbessert Kostenerstattung die Transparenz und steuert die Inanspruchnahme von Leistungen? (4.9.11)
Untergang oder Herausforderung! Was bedeuten Prognosen des Erwerbspersonenpotenzials für die Zukunft des deutschen Sozialsystems? (26.8.11)
Wer oder was gefährdet den Wirtschaftsstandort Deutschland jenseits von Lohnnebenkostensenkung? Beispiel Arbeitszufriedenheit! (13.8.11)
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Unbequem, unethisch, tabuisiert: Haben KZ-Selektionsrampen, Euthanasie und die Priorisierung im Gesundheitswesen etwas gemein? (31.1.11)
Fachgesellschaft der Gesundheitsökonomen pfeift auf wissenschaftliche Empirie (13.1.11)
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"Priority Setting" in acht Gesundheitssystemen: Größte Schwachstelle ist die mangelhafte Beteiligung der Öffentlichkeit

Artikel 1429 In den Gesundheitssystemen zahlreicher Länder fanden und finden mehr oder weniger offene oder intensive Diskussionen über die explizite oder implizite Rationierung gesundheitlich notwendiger Versorgungsleistungen (und nur dies ist strenggenommen Rationierung und nicht die Verweigerung jeder beliebigen Leistung) oder die Prioritätensetzung bei diesen Leistungen sowie die damit verbundenen Fragen der Gerechtigkeit und Effizienz solcher Maßnahmen statt.

Egal, welche Absichten man bezüglich der Rationierung verfolgt, ob was man von ihr lernen will der Argumente gegen sie sucht, kann erst eine gründliche Analyse der unterschiedlichen nationalen Diskurse Hinweise auf ihre jeweiligen Erfolge und Misserfolge oder die Bedingungen ihres Scheiterns liefern.

Diese Untersuchung führten nun zwei Philosophen aus Norwegen und den USA für acht Länder, nämlich Norwegen, Schweden, Israel, die Niederlande, Dänemark, Neuseeland, Großbritannien und den US-Bundesstaat Oregon, für deren expliziten Bemühungen um eine Priorisierung der Allokation von Ressourcen im Gesundheitswesen durch.
Die dort entwickelten Herangehensweisen lassen sich in eine Variante unterscheiden, die sich darauf konzentriert, Prinzipien herauszuarbeiten und eine andere Variante, bei der es darum geht praktische Übungen und den Wissenserwerb zu definieren.

Um überhaupt Lehren aus den Erfahrungen mit Rationierung in diesen Ländern gewinnen zu können, sahen sich die Forscher vier Aspekte genauer an: Wie sah der Prozess des "priority settings" aus? Was waren die Kriterien aus mit denen der Erfolg dieser Bemühungen bewertet wurden? Welche Herangehensweise wurde mit diesen Kriterien am besten getroffen? Wie kommt man unter Nutzung der Erfolge und des Scheiterns am besten im Prozess einer Rationierung voran?

Zu den zentralen Kriterien mit den die Rationierungsdiskurse und -politiken untersucht und eingeordnet wurden gehörte die ausdrückliche Bitte für einen öffentlichen Input und die Förderung einer öffentlichen Diskussion und Bildung, die Einrichtung der Prinzipien und ihres Einfluss auf Politik und Versorgungspraxis.

Die wesentlichen Erkenntnisse aus dem Prioritätensetzungsgeschehen in diesen Ländern lauten:

• Es zeigte sich, dass es nur eine geringe Evidenz dafür gibt, dass die Etablierung eines Wertekatalogs für "priority setting" irgendeinen Effekt auf die Gesundheitspolitik gehabt hat.
• Ebenso wenig Evidenz hatten Priorisierungsübungen aber auf das damit ins Auge gefasste Ideal einer offenen, partizipativ-öffentlichen Einmischung in die Entscheidungsfindung.
- Die Einrichtungen, die sich in den verschiedenen Ländern etabliert haben, um bei der Steuerung des Rationierungsprozesses und seiner Implementation mitzuwirken, waren relativ erfolgreich.
• Am wenigstens Wirkung auf Politik und Praxiswelt zeigten die ersonnenen und platzierten "priority setting"-Prinzipien bzw. ein Priorisierungsrahmen.
• Die dritte Schlussfolgerung aus den acht Fallstudien kommt relativ nüchtern zum Schluss, dass trotz aller Attraktivität und der u.a. in der Priorisierungsliteratur zu beobachtenden Begeisterung für eine öffentliche Beteiligung von BürgerInnen an diesen Prozessen diese kein fester und wirksamer Bestandteil der Priorisierungsorganisation ist.
• In den meisten Ländern wurden daher regelbasierte und -legitimierte Bewertungsprozeduren durch outcomelegitimierte Bewertungen ersetzt, die Beteiligung der Öffentlichkeit zurückgefahren und stattdessen Experten-Zirkel gestärkt und die Einmischungsmöglichkeiten der Öffentlichkeit auf den Fall offensichtlicher Fehler in der Entwicklung von Rationierungsvorschlägen begrenzt.
• Eine wichtige Quintessenz: "The examination of the prioritization efforts discussed in this paper, however, leads us to conclude that implementation of public discussion and open and transparent deliberative processes has not been achieved" und der Versuch einer Lösung unter Berücksichtigung der öffentlichen Beteiligung: "In light of this, one of the main challenges for the priority setting field would be propose appropriate levels of public involvement and appeal that is much less extensive than the usual rhetoric suggests, but that still ensures that decisions reached are legitimate. One key element for appropriate public involvement would probably be transparency in providing reasons for decisions."

Die Untersuchung enthält knappe Darstellungen und Bewertungen der acht nationalen Priorisierungs-Szenarien, fragt aber praktisch nirgendwo nach, ob und in welcher Intensität der Zwang über Rationierung diskutieren zu müssen und praktische Vorschläge zur Rationierung liefern zu müssen eigentlich gerechtfertigt ist. So berechtigt die kritische Darstellung und Auseinandersetzung mit der mangelnden öffentlichen Beteiligung also auch ist, so problematisch ist die dargestellte Konzentration auf eine zum guten Teil technische Optimierung der Beteiligung der Öffentlichkeit.

Die dreizehnseitige Darstellung der Analysen erschien als Aufsatz unter dem Titel "Priority setting in health care: Lessons from the experiences of eight countries" von Lindsay M Sabik und Reidar K Lie bereits am 21. Januar 2008 im Onlinebereich der Zeitschrift International Journal of Equity Health" und ist komplett und kostenfrei erhältlich.

Bernard Braun, 3.12.08