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USA - Reformen


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Kann eine Reform des Krankenversicherungsschutzes Leben retten? Positive Anzeichen in Massachusetts (USA)

Artikel 2355 Fast jede Gesundheitsreform ist mit Versprechungen oder Erwartungen verbunden, die Ausgaben zu reduzieren oder mindestens ihr Anwachsen zu dämpfen, mit weniger Geld mehr Qualität bis hin zu einer Verlängerung der Lebenserwartung zu erreichen. Bereits die Tatsache, dass weltweit nach dem Motto "nach der Gesundheitsreform ist vor der Gesundheitsreform", Kostendämpfung so gut wie immer nicht oder nicht für längere Zeit gelingt, zeigt die Wirklichkeitsferne mancher dieser Ankündigungen.
Umso interessanter sind Reformen in deren zeitlichem Kontext es gelingt, Veränderungen gravierender Art nachweisen und sie als Reformfolgen zu identifizieren.

Eine in der us-amerikanischen Fachzeitschrift "Annals of Internal Medicine" im Mai 2014 veröffentlichte Studie von Wissenschaftzlern der Harvard School of Public Health (HSPH) über die Mortalitätsentwicklung in den ersten vier Jahren nach der 2006 im US-Bundesstaat Massachusetts gestarteten Gesundheitsreform, liefert hierzu handfeste Daten. Diese sind auch deshalb von enormer Bedeutung, weil die mit dieser Reform initialisierte (fast) allgemeine Krankenversicherungspflicht eine Art Modell für die USA-weite Gesundheitsreform des "Affordable Care Act" darstellt.

Im Vergleich mit anderen Bundesstaaten mit vergleichbarer soziodemografischer Struktur aber ohne vergleichbare Reformen als Kontrollgruppe und der Zeiträume 2001 bis 2005 vor der Reform und 2007 bis 2010 nach dem Reformstart sank die Sterblichkeit unter den 20- bis 64-Jährigen in Massachusetts (n=146.825) signifikant um 2,9% oder absolut um 8,2 Sterbefälle pro 100.000 Erwachsene. Die Sterblichkeit an Ursachen, die überhaupt der Gesundheitsversorgung zugänglich sind, sank ebenfalls signifikant um 4,5%. Positive Veränderungen der Sterblichkeit waren in Bezirken ("counties") mit niedrigerem durchschnittlichen Haushaltseinkommen und höherer Rate unversicherter Personen vor der Reform größer. Weitere Analysen zeigten signifikante Gewinne oder Zunahmen beim Versicherungsschutz, dem Zugang zur Krankenversorgung und beim selbst wahrgenommenen Gesundheitszustand. Um einen Todesfall pro Jahr verhindern zu können mussten rund 830 erwachsene Personen eine Krankenversicherung erhalten ("number needed to treat").

Die Autoren weisen allerdings selber auf einige Limitationen ihrer Analyse hin. So handelt es sich nicht um eine randomisierte Untersuchungsgruppe und mögliche Störfaktoren, die das Ergebnis in Wirklichkeit beeinflussten, sind nicht systematisch gesucht und untersucht worden. Sie warnen außerdem davor, die Ergebnisse komplett auf andere US-Bundesstaaten oder die gesamte USA zu übertragen.

Der Aufsatz Changes in Mortality After Massachusetts Health Care Reform: A Quasi-experimental Study von Benjamin D. Sommers, Sharon K. Long und Katherine Baicker ist am 5. Mai 2014 in der Zeitschrift "Annals of Internal Medicine" (160: 585-593) erschienen. Ein Abstract ist kostenlos erhältlich.

Bernard Braun, 18.5.14