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Auch Bremer Wissenschaftler erhielten verdeckte Forschungsgelder der Tabakindustrie

Artikel 0673 Thilo Grüning und Nicolas Schönfeld berichteten im März 2007 in der Titelstory des Deutschen Ärzteblatts (Heft 12) darüber, wie die Tabakindustrie in Deutschland über viele Jahre hin, systematisch versucht hat, Einfluss auf die Forschung zu nehmen, um die Gefahren des Aktiv- und Passivrauchens herunterzuspielen oder gar zu verharmlosen. (vgl.: Tabakindustrie und Ärzte: "Vom Teufel bezahlt..."). Dieser eindeutige Nachweis kann seit längerem erbracht werden, weil im Jahr 1998 führende Tabakkonzerne durch Schadensersatzprozesse in den USA gezwungen wurden, ihre internen Unterlagen im Internet der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Vergleich zu anderen Ländern wie beispielsweise den USA und England sind in Deutschland erst mit einiger Verspätung von verschiedenen Stellen (z.B. dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg) intensive Recherchen darüber angestellt worden, in welchem Maße auch deutsche Wissenschaftler von der Tabakindustrie für ihre Zwecke eingespannt worden.

Für die Tabakindustrie war es laut ihrer eigenen Aussagen von großer Bedeutung, möglichst renommierte Wissenschaftler für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Dies ist ihr auch gelungen. Aus dem Public-Health-Umfeld wurden in der Vergangenheit in diesem Zusammenhang immer wieder Namen von vier prominenten Professoren genannt: Prof. Überla (München), Prof. von Troschke (Freiburg), Prof. Siegrist (Düsseldorf) und Prof. Gostomzyk (Augsburg). Weitere Recherchen haben nun gezeigt, dass auch zwei Bremer Wissenschaftler in den 80er bzw. 90er Jahren Gelder vom Verband der deutschen Zigarettenindustrie (VDC) für Forschungsvorhaben erhalten haben, ohne dass sie dies offen gelegt haben. Dabei handelt es sich um den Mathematiker Prof. Jürgen Timm, den ehemaligen Rektor der Universität Bremen, und den Biometriker Prof. Karl-Heinz Jöckel, den damaligen stellvertretenden Leiter des Bremer Instituts für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS). Prof. Timm erstellte Auswertungen für das VDC-Projekt 4/1983 "Ermittlung der Rauchgewohnheiten in der derzeitigen Marksituation in der Bundesrepublik Deutschland" und Prof. Jöckel führte das VDC-Projekt 1/1992 "Pilotstudie für eine epidemiologische Fall-Kontrollstudie zu arbeits- umweltbedingten Risikofaktoren" durch. Für das erstere Projekt wurde vom VDC ein Betrag von 13.800 DM ausgezahlt, für das zweite ein Betrag von 110.000 DM.

Die Problematik der Zusammenarbeit von Wissenschaftlern mit der Tabakindustrie wird international bereits seit vielen Jahren heftig diskutiert. So warnte der Herausgeber der angesehen Medizinerzeitschrift "British Medical Journal" bereits 1985 unter dem Titel "Taking money vom the devil" eindringlich vor jedweder Kooperation von Wissenschaftlern mit Organisationen der Tabakindustrie.

Auch in Deutschland setzt nun erfreulicherweise, allerdings erst vergleichsweise spät, eine Diskussion darüber ein, welche Gefahren eine Kooperation von Wissenschaftlern mit der Tabakindustrie bergen. Ein Beleg dafür ist der Artikel von Grüning & Schönfeld im Deutschen Ärzteblatt. Als erste medizinische Fachgesellschaft hat die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) 2006 einen ethischen Kodex verabschiedet, in dem jede Zusammenarbeit mit der Tabakindustrie abgelehnt wird. Gemäß diesem Kodex wird es abgelehnt, finanzielle Mittel der Tabakindustrie für Forschungsvorhaben, Gutachtertätigkeiten, Vortragshonorare und Reisekosten anzunehmen.

Auch das Deutsche Krebsforschungszentrum hat 2005 einen ethischen Kodex verabschiedet, in dem der jede Zusammenarbeit mit der Tabakindustrie abgelehnt wird. Dort heißt es: "1. Das Deutsche Krebsforschungszentrum und seine Mitarbeiter lehnen jegliche finanziellen Mittel der Tabakindustrie für Forschungsförderung, Gutachterhonorare, Vortragshonorare, Reisekosten, Wissenschafts- und andere Preise ab. 2. Das Deutsche Krebsforschungszentrum und seine Mitarbeiter lehnen die Mitwirkung an Veranstaltungen der Tabakindustrie oder Dritter, die von der Tabakindustrie maßgeblich gesponsert werden, ab." Es wäre zu wünschen, dass weitere Universitäten, Forschungseinrichtungen, medizinische Fakultäten und Fachgesellschaften diesen positiven Beispielen folgen.

• HTML-Datei: Thilo Grünung & Nicolas Schönfeld (2007): Tabakindustrie und Ärzte: "Vom Teufel bezahlt..." (Deutsches Ärzteblatt 104, Ausgabe 12 vom 23.03.2007, Seite A-790 / B-695 / C-669)
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gm/uh, 24.4.2007