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Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands: Studien bestätigen wieder einmal die Zuverlässigkeit dieses Indikators (3.1.09)
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Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands: Studien bestätigen wieder einmal die Zuverlässigkeit dieses Indikators

Artikel 1455 Schon 1982 hatte eine Veröffentlichung mit Daten der sogenannten Manitoba-Studie (eine kanadischen Langzeitstudie über 7 Jahre mit knapp 3.200 Teilnehmern) festgestellt, dass die Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands ein besserer Indikator für die zukünftige Lebenserwartung ist als medizinische Risikofaktoren, auch bei Kontrolle von sozialer Schichtzugehörigkeit, Geschlecht usw. Wer bei einer negativen ärztlichen Einstufung des Gesundheitszustands gleichwohl eine optimistische Gesundheits-Einschätzung hat, weist auch ein geringeres Sterbe-Risiko auf. Und umgekehrt: Wenn bei niedrigen medizinischen Risikofakoren gleichwohl eine negative, also pessimistische Gesundheits-Einschätzung vorlag, so ist auch das Sterbe-Risiko höher.

Seit dieser Veröffentlichung von J.M. Mossey and E. Shapiro Self-rated health: a predictor of mortality among the elderly hat eine Vielzahl weiterer Studien diese grundsätzliche Tendenz bestätigt und eine erst 2007 veröffentlichte Meta-Analyse von 22 Studien hat gezeigt, dass die Mortalität bei einer negativen Einschätzung der Gesundheit fast doppelt so hoch war (OR 1,92) wie bei einer sehr guten Bewertung (vgl. Karen B. DeSalvo u.a.: Mortality prediction with a single general self-rated health question. A meta-analysis).

Eine jetzt in der Zeitschrift "Social Science & Medicine" veröffentlichte Verlaufsstudie über einen Zeitraum von 10 Jahren bei mehr als 22 Tausend Männern und Frauen in der englischen Stadt Norfolk hat nun gezeigt, dass der Zusammenhang zwischen Selbsteinstufung und Mortalität auch unabhängig von der jeweiligen sozialen Schichtzugehörigkeit gilt. Man könnte ja vermuten dass die Bezugsgrößen und Vergleiche, aufgrund derer jemand seine Gesundheit bewertet, in der Oberschicht anders ausfallen als in der Unterschicht. Tatsächlich zeigten sich jedoch bei den 39-79jährigen Männern und Frauen, die man in den Jahren 1993-1997 zuerst befragt und dann über einen Zeitraum von 10 Jahren weiter beobachtet hatte, keine solchen Schichtunterschiede. Das Mortalitätsrisiko lag - bei Kontrolle von Alter und Geschlecht - über alle Sozialschichten hinweg 4,35mal so hoch wie bei sehr ungünstiger Selbsteinschätzung.
Hier ist ein Abstract: E. McFadden u.a.: Does the association between self-rated health and mortality vary by social class? (Social Science & Medicine, Article in Press, Corrected Proof, doi:10.1016/j.socscimed.2008.10.012)

Im International Journal of Epidemiology, Volume 36, Number 6, December 2007 waren allerdings mehrere Studien veröffentlicht worden, die zwar den Zusammenhang zwischen Selbsteinstufung des Gesundheitszustands und Sterblichkeit bestätigten, dabei teilweise aber einen modifizierenden Einfluss der Schichtzugehörigkeit fanden. Diese Studien mit Daten aus den USA, Frankreich und den Niederlanden kamen u.a. zu dem Schluss, dass Oberschicht-Angehörige - mit höherem Bildungsniveau und profunderen medizinischen Kenntnissen - möglicherweise eine zuverlässigere Bewertung ihres Gesundheitszustands abgeben, so dass hier der Zusammenhang zum Mortalitätsrisiko auch deutlicher ausfällt. Vgl. als Zusammenfassung der drei Studien das Editorial Amélie Quesnel-Vallée: Self-rated health: caught in the crossfire of the quest for 'true' health? (International Journal of Epidemiology 2007 36(6):1161-1164; doi:10.1093/ije/dym236)

Gerd Marstedt, 3.1.09