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Don't worry, be happy! Menschen mit starken positiven Emotionen sind seltener von Herz-Kreislauf-Erkrankungen betroffen

Artikel 1739 Menschen, die häufiger positive Emotionen erleben, sich glücklich, zufrieden oder von etwas begeistert fühlen, sind seltener von koronaren Herzerkrankungen wie zum Beispiel Herzinfarkt oder Angina pectoris betroffen. Dies ist das Ergebnis einer rund zehnjährigen Beobachtungsstudie, der "Nova Scotia Health Survey", bei der Daten von 1.739 gesunden Erwachsenen (etwa gleich viele Männer wie Frauen) ausgewertet wurden.

Zu Beginn der Studie im Jahre 1995 wurde bei allen Teilnehmern zunächst der Gesundheitszustand überprüft und es wurden alle Personen ausgeschlossen, bei denen bereits eine Vorerkrankung oder Schädigung (in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen) festgestellt wurde. Speziell ausgebildete Krankenpfleger/innen führten dann mit allen Teilnehmern ein etwa 12minütiges Interview durch, das für die Teilnehmer gewisse Stressbelastungen provoziert und ursprünglich dazu konzipiert war, um das Ausmaß negativer Emotionen wie Wut, Ärger oder Stressreaktionen zu messen. In der hier vorliegenden Studie wurde jedoch durch die Krankenpfleger nach dem Interview statt dessen bewertet, in welchem Ausmaß die Teilnehmer positive Reaktionen - wie Freude, Glücklichsein, Begeisterung oder Zufriedenheit - artikuliert hatten. Dies wurde auf einer 5stufigen Skala festgehalten. Die Zuverlässigkeit der Bewertung war zuvor durch Gegenkontrollen überprüft worden.

Zur Analyse des Zusammenhangs von positiven Emotionen und Herzerkrankungen wurden dann verschiedene Kranken- und Sterberegister von Nova Scotia (eine an der Atlantikküste gelegene Provinz von Kanada) überprüft und solche Erkrankungen (mit und ohne tödlichen Verlauf) festgehalten. Überdies wurde in den statistischen Analysen dann auch berücksichtigt, ob die Betroffenen Raucher waren, an Diabetes erkrankt waren, wie hoch ihr Body Mass Index war, ihr Cholesterinspiegel und ihr Blutdruck.

In dem etwa zehnjährigen Beobachtungsfenster seit 1995 wurden dann insgesamt 145 ischämische Herzerkrankungen beobachtet, betroffen waren also etwa 8% der Teilnehmer. In multivariaten Analysen, in denen einerseits das Ausmaß positiver Emotionen berücksichtigt wurde, darüber hinaus aber auch verschiedene andere Risikofaktoren (Rauchen, BMI usw.), zeigte sich dann: Auf der 5stufigen Skala, die von 1 bis 5 das Ausmaß positiver Emotionen beschreibt, war jeder Schritt nach oben (hin zu mehr Glücks- und Zufriedenheitsgefühlen) mit einer etwa 22prozentigen Senkung des Erkrankungsrisikos verbunden. Zwar geben die Autoren keine exakten Zahlen an, ganz grob lässt sich jedoch aus den mitgeteilten unterschiedlichen Erkrankungsrisiken und der absoluten Zahl der Herz-Erkrankungen ableiten: Wenn alle 5 Gruppen gleich stark besetzt wären, würden in der Gruppe mit extrem geringen Positiv-Emotionen 45 Personen sterben, in der Gruppe mit dem höchsten Ausmaß nur 18 Personen.

Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass ihre Beobachtungs- und Verlaufsstudie keine Schlüsse über Kausalzusammenhänge zulässt. In einer Pressemitteilung der European Society of Cardiology und auch in der Bilanz ihrer Befunde erklären sie, dass randomisierte Kontrollstudien bereits in Planung sind, in denen Herz-Kreislauf-Patienten einen positiveren Umgang mit ihren Gefühlen erlernen sollen.

Die Studie ist hier im Volltext kostenlos verfügbar:
Karina W. Davidson, Elizabeth Mostofsky and William Whang: Don't worry, be happy: positive affect and reduced 10-year incident coronary heart disease: The Canadian Nova Scotia Health Survey (European Heart Journal Advance Access published online on February 17, 2010; doi:10.1093/eurheartj/ehp603)

Einige Techniken, um den Menschen mehr Glücksgefühle zu vermitteln (ohne auch nur ein Deut an ihren Arbeits- und Lebensbedingungen zu ändern) hatte im Jahr 2009 schon der englische Psychologe Prof. Richard Wiseman (University of Hertfordshire) in einem großen Internet-Experiment erprobt. An dem Experiment beteiligt haben sich 26.000 Personen, über Ergebnisse hat der Wissenschaftler bis jetzt (Februar 2010) leider noch nicht berichtet. (vgl. Don't worry, be happy! Wissenschaftler will die englische Bevölkerung glücklicher machen)

Dass positive Emotionen und Gesundheit sehr eng miteinander zusammen hängen, hat schon eine bilanzierende Zusammenfassung verschiedener Forschungsstudien unlängst gezeigt. Deutlich wurde in dieser Meta-Analyse aber auch, dass man den Zusammenhang sehr differenziert betrachten muss. Es zeigt sich nämlich: In weniger gesunden Gruppen, also bei chronisch Erkrankten, Behinderten, bei Bewohnern von Alten- und Pflegeheimen usw. gibt es nur einen sehr schwachen Zusammenhang von Glücklichsein und Lebenserwartung. Glücklichsein oder andere positive Emotionen haben bei Kranken keine oder nur eine überaus schwache lebensverlängernde Wirkung. Anders sieht es jedoch aus bei gesunden Untersuchungsgruppen. Hier zeigt sich ganz überwiegend (in 16 von 24 Studien), dass glückliche Personen auch eine höhere Lebenserwartung haben: Im Durchschnitt beträgt dieser Gewinn in den analysierten Studien etwa 7,5 bis 10 Lebensjahre. (vgl. Haben glückliche Menschen auch eine höhere Lebenserwartung? Ergebnisse einer Metaanalyse von 30 Längsschnittstudien)

Gerd Marstedt, 21.2.10