Home | Patienten | Gesundheitssystem | International | GKV | Prävention | Epidemiologie | Websites | Meilensteine | Impressum

Sitemap erstellen RSS-Feed

RSS-Feed
abonnieren


Weitere Artikel aus der Rubrik
GKV
Beitragssatz, Finanzierung, GKV-PKV


Deutschland: Platz 15 im EU-Vergleich der Lohnnebenkosten oder wie wenig gefährden sie den Wirtschaftsstandort (5.5.15)
Kosten für den Einzug aller Sozialversicherungsbeiträge zwischen Selbstverwaltung, Wollen, Können und Rechtsverordnung (27.4.15)
Alter, saurer Wein wird auch nicht süßer, wenn der Kellner wechselt: Bundesbank und Dämpfung möglicher Gesundheitskosten-Explosion (24.7.14)
Zwischen 14 und 20% aller abhängig Beschäftigten haben nach Einführung des Mindestlohns Anspruch auf Lohnerhöhung (4.3.14)
Niedriglöhne in Deutschland europaweit am höchsten und weit verbreitet - Ein nicht geringer Beitrag zur Einnahmeschwäche der GKV! (1.8.13)
Auf rückwärtsgewandten Pfaden weiter zur Zweiklassenmedizin (24.5.13)
Niedriges Einkommen=niedrige Beitragseinnahmen. Löhne erwerbstätiger Ausländer nach 8 Jahren bei 72% des Lohns deutscher Arbeiter (6.2.13)
Produktionsverlagerungen ins Ausland und "zu hohe" Lohnnebenkosten? Aktuelle Industriedaten zur Verlagerung und Rückverlagerung (31.12.12)
Verborgene Kosten des Gesundheitssystems der USA. 15,4% aller Kosten sind unbezahlte gesundheitsbezogene Tätigkeiten (17.12.12)
Warum selbst Arbeitgeber im Moment nicht so richtig über die Last zu hoher Lohnnebenkosten durch die Sozialversicherung klagen ? (3.12.12)
Aufgewärmtes zur Praxisgebühr: Unbelehrbar, unbe-irr-bar oder einfach nur irre? (12.4.12)
ZahnmedizinerInnen und MedizinerInnen haben nach eigenen Angaben und über ihr gesamtes Erwerbsleben die höchsten Nettostundenlöhne (31.3.12)
Zuzahlungen in der GKV 2005-2010: Jährlich rd. 5 Mrd. Euro, kaum erwünschte aber durchaus unerwünschte Steuerungswirkungen (26.3.12)
Windchill-Effekt auch bei der Bürokratie wirksam (1.2.12)
Neues aus der Bildungsforschung: Der besonders hohe Nutzen von Hochschulabsolventen für die Sozialbeiträge in Deutschland (22.9.11)
Welche Rolle spielen Lohnnebenkosten bei Investitionsentscheidungen in Deutschland und in 12 anderen Ländern? Scheinbar keine! (20.9.11)
Lasst die "Sau am besten im Stall"! Verbessert Kostenerstattung die Transparenz und steuert die Inanspruchnahme von Leistungen? (4.9.11)
Gleichstellungsbericht: Nachteile für individuelle Verwirklichungschancen und die künftige soziale Sicherheit von Frauen. (18.6.11)
Absenkung der Arbeitskosten durch Senkung der Sozialbeiträge für Geringverdiener schafft keine Arbeitsplätze, sondern Probleme! (1.6.11)
Mehr Frauen erwerbstätig aber mit sinkender Arbeitszeit - deutscher "Sonderweg": Ein notwendiger Nachtrag. (2.5.11)
"Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse" oder Minijobs = kurz- wie langfristige Mini-Krankenkassenbeiträge (15.4.11)
Frauen zurück an den Herd? Zur Empirie der Einnahmenschwäche der GKV. (10.4.11)
Neues aus der unendlichen und nicht ganz einfachen Geschichte der Ärzteeinkommen zwischen Verelendung und Überfluss (2.3.11)
Trotz Aufschwung: Auch 2010 stagniert die Bruttolohnquote als eine Basis der GKV-Einnahmen auf dem erreichten niedrigen Niveau (5.12.10)
8% Lohnkluft zwischen Männern und Frauen von insgesamt 23 % ist Ungleichbehandlung Gleicher oder Diskriminierung (25.10.10)
FDP?! Mehr Staatsfinanzierung und Sozialbürokratie durch einkommensunabhängige Zusatzbeiträge mit Sozialausgleich (12.10.10)
Innenleben der "Zwei-Klassen-Medizin: Arzneimittel und PKV=wirtschaftlich, innovativ, wirksam, qualitativ hochwertig? Eher nicht! (27.4.10)
2009: Deutschland belegt in der EU erneut Mittelplätze bei den Arbeits- und Lohnnebenkosten. (30.3.10)
Deutschland im EU-Vergleich seit 2000: Schlusslicht bei Bruttolohn-, Arbeitskosten- und Lohnnebenkostenentwicklung. (13.3.10)
Risikoorientierte Beiträge à la PKV: Das Ende der Gesundheitsreformen oder Modell mit wenig Nutzen und ungewisser Zukunft? (28.2.10)
Sprungbrett in die Sackgasse oder "von nichts kommt nichts"! Wie sehen Niedriglöhne in Deutschland aus und was bewirken sie? (10.2.10)
Geld für "Bildung statt Banken"!? Welche langfristigen Wachstums-, Produktivitäts- und Sozialeffekte haben 25 PISA-Punkte? (27.1.10)
Kollateralschäden des Hartz IV-Bezugs oder was hat das Arbeitslosengeld II mit der Einnahmeschwäche der GKV zu tun? (15.12.09)
Finanzierung der GKV durch Prämien a la Schweiz!? Wie sich die Bundesregierung mit einer Tasse Kaffee eine Kommission sparen kann! (21.11.09)
Womit können Therapietreue und Wirtschaftlichkeit verbessert werden?: "Weniger Zuzahlungen verbessern die Therapietreue!" (8.11.09)
Gutachten "zur Überwindung des zweigeteilten Krankenversicherungsmarktes" oder wie zukunftssicher ist die PKV? (7.9.09)
Wie viele Krankenkassenmitarbeiter gibt es? Und was kosten sie die Versicherten? Daten zum Mythos aufgeblähte Verwaltungsausgaben (24.8.09)
Atypisch Beschäftigte nehmen 2008 weiter zu und der Verdienst von fast jedem Zweiten liegt unter der Niedriglohngrenze (19.8.09)
Wissenschaftler: Das deutsche Krankenversicherungs - System mit privater und gesetzlicher Kasse ist in Europa heute die Ausnahme (20.7.09)
Ausgaben und Finanzierung des deutschen Gesundheitswesens aktuell - ein weiteres Stück Gesundheitsberichterstattung. (16.6.09)
1-Eurojobs als "bedeutsamstes Instrument der Arbeitsmarktpolitik": Wenig Wirkung, viele Nebenwirkungen! (1.6.09)
Ungleich, ungleicher, Vermögensverteilung in Deutschland - Wie schwer hätte es eine Bürgerversicherung aktuell? (25.1.09)
Private Krankenversicherung: Die Bindung an einen Hausarzt ist häufig schon Tarifnorm (29.12.08)
Abschied von der "Mittelstandshypothese": Zur schwachen Empirie des "Jobmotors" Klein- und Mittelbetriebe. (20.12.08)
Komponenten der GKV-Einnahmeschwäche: Mehr Frauen erwerbstätig aber mit sinkender Arbeitszeit - deutscher "Sonderweg". (3.12.08)
Determinanten der Einnahmeschwäche des Sozialversicherungssystems: Tarifflucht neugegründeter Betriebe in Ost und West (2.11.08)
"Arbeit zu haben ist besser als gar keine Arbeit zu haben": Blaue Seiten des "Jobwunders" für "Arbeithaber" und Sozialversicherung (14.9.2008)
Einmal im Niedriglohnsektor, immer im Niedriglohnsektor? - Daten zur Erwerbsstatusmobilität in Deutschland. (9.6.2008)
Privatpatienten bringen Ärzten eine doppelt so hohe finanzielle Vergütung - und damit Anreize zur Bevorzugung dieser Gruppe (16.5.2008)
Was bedeutet das "Abspecken des Mittelschichtbauchs" für die finanzielle Situation der Sozialversicherungsträger in Deutschland? (17.4.2008)
Leicht schwindende offene und deutlich zunehmende verdeckte Arbeitslosigkeit als Ursachen der Einnahmeschwäche der deutschen Sozialversicherung. (23.1.2008)
"GKV-Beiträge bleiben 2008 weitgehend stabil" oder auch nicht! - Wo bleibt der Beitrags-Abschwung bei wirtschaftlichem Aufschwung? (16.12.2007)
Entwicklungstendenzen atypischer Beschäftigung als Risiko für die Sozialsystem-Finanzierung - Materialquelle IAB-Infopool (5.12.2007)
Arme Kassenpatienten, glücklich, wer privat krankenversichert ist? (4.12.2007)
Quelle der GKV-Einnahmeschwäche: Jeder siebte Bundesbürger unter 65 bekam 2005/2006 mindestens kurz Arbeitslosengeld II (15.9.2007)
Was hat "Generation Praktikum" mit der GKV-Einnahmeschwäche zu tun? Berufseinstieg von Hochschulabsolventen schwieriger! (13.2.2007)
Betriebsräte, Einkommenshöhe und Sozialbeitragsvolumen: ein positiver Zusammenhang! (7.2.2007)
Wenn der Schuster nicht bei seinem Leisten bleibt - Erzwungene Berufswechsel und GKV-Finanzierung (22.1.2007)
Mangelware "kontinuierlicher Erwerbsverlauf" und die Einnahmeschwäche der Sozialversicherungssysteme (28.12.2006)
Einnahmenkrise der GKV auch durch Niedrigsteinkommen und fehlende Mindestlöhne (5.11.2006)
GKV-Beitragssatz könnte um 1-2 Prozentpunkte gesenkt werden (11.2.2006)
Verdreifachung der GKV-Ausgaben bis 2050 durch medizinischen Fortschritt? (17.10.2005)
Ohne "Verschiebebahnhof"-Politik GKV-Beitragssatz unter 12 Prozent (10.8.2005)
Mehr Privatisierung der Absicherung von Krankheitsrisiken: Weder wirksamer noch wirtschaftlicher als das GKV-System! (9.8.2005)
GKV-Beitragssatz 2040 = 31,2 %? So funktioniert demografischer Schwindel! (31.7.2005)

Seite mit den Texten aller Artikel aufrufen:
Beitragssatz, Finanzierung, GKV-PKV
 

Andere Rubriken in "GKV"


Gutachten, Systemvergleiche

Beitragssatz, Finanzierung, GKV-PKV

Umfragen, Bevölkerungsmeinungen

Rechtliche Regelungen

Kassenwettbewerb

Versicherteninteressen, Selbstverwaltung, GBA

Solidarprinzip

Risikostrukturausgleich RSA

andere Themen zur GKV



"GKV-Beiträge bleiben 2008 weitgehend stabil" oder auch nicht! - Wo bleibt der Beitrags-Abschwung bei wirtschaftlichem Aufschwung?

Artikel 1059 Gehörten bis in die jüngste Vergangenheit hinein Prognosen, die Krankenkassenbeiträge würden sinken, zum gesundheitspolitischen Standardrepertoire zum Jahresende, ist schon die aktuelle Meldung, die Beiträge blieben "2008 weitgehend stabil", die große aber möglicherweise auch unrealistische (eine der größten deutschen Krankenkassen, die Techniker Krankenkasse, kündigt in diesem Sinne gerade an, ihren Beitragssatz zum 1. Januar 2008 um 0,3 Prozentpunkte zu erhöhen) Erfolgsmeldung - und dies trotz abnehmender Arbeitslosigkeit, steigenden Gewinnen und mittelfristigem Optimismus über den wirtschaftlichen Aufschwung.

Diese Faktoren sollten eigentlich über steigende Löhne die u.a. durch die seit rund 10 Jahren anhaltende Lohnstagnation bedingte Einnahmeschwäche der Sozialversicherungskassen als wesentlichem Erklärungsfaktor der langjährigen Beitragssteigerungen mildern oder gar beseitigen. Soweit die Theorie.

Die Wirklichkeit der Einkommensentwicklung sieht leider anders aus, d.h. trotz der von der Bundesagentur für Arbeit zuletzt im Oktober für den August 2007 gemeldeten mehr (27,17 Millionen, was gegenüber dem Vorjahr ein Zuwachs von 589.000 Personen oder um 2,2% war) sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigen entwickeln sich die Einkommensverhältnisse so, dass der Einkommenstopf zwar schon etwas voller wird, aber in hohem Maße mit relativ niedrigen und damit beitragsschwachen Einkommen aus Dienstleistungstätigkeiten oder deutlich unter dem dank der gestiegenen Produktivität eigentlich möglichen Niveau.

Nur zur Erinnerung für die Entwicklung der erwerbstätigen und sozialversicherten Personen: Die gerade geschilderte Verbesserung erfolgt auf einem niedrigen Niveau, das Ergebnis eines jahrelangen kräftigen Rückgang der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer war. Noch 2001 gab es rund 28,3 Millionen derartig beschäftigter Personen. Dies hat auch mit einer weiteren sorgfältig getrennt zu betrachtenden Entwicklung zu tun: Der Anteil der sozialversicherungspflichtigen und damit Sozialbeiträge zahlenden Personen an den insgesamt erwerbstätigen Personen sank von 77,7% im Jahr 1991 auf zuletzt 68,5% im Jahr 2004. Insgesamt erwerbstätig waren 1991 38,6 Millionen und 2004 38,9 Millionen Personen.

Wie es zu dieser Wirklichkeit kommt sollen jüngste Daten des Statistischen Bundesamt und der Bundesbank etwas transparenter machen. Dabei handelt es sich nicht um scharf getrennte kumulative Effekte, sondern um getrennt erhobene und sich auch mehr oder weniger überlappende, verstärkende oder auch einschränkende Bedingungen:

• Nach der aktuellsten Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 14. Dezember 2007 zur Entwicklung der Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe zwischen dem Oktober 2006 und dem Oktober 2007, stieg die Anzahl der dort Beschäftigten um 2,2%, die der geleisteten Arbeitsstunden um 6,1% und die Summe der Entgelte und damit der Quelle für Sozialversicherungseinnahmen aber lediglich um 5,3%. Damit entgehen bei offensichtlich guten konjunkturellen Bedingungen mindestens 0,8% des Zuwachses an ökonomischer Leistungsfähigkeit der so genannten "Verbeitragung". Dass in Wirklichkeit noch mehr der gestiegenen Leistungsfähigkeit an den Einkünften und den Beiträgen der Sozialversicherungsträger vorbeigeleitet wird, zeigt der aktuelle Indikator für sie, d.h. die Produktion pro Beschäftigten oder die Produktivität in der gewerblichen Wirtschaft. Diese stieg nach Berechnungen der Bundesbank zwischen Oktober 2006 und Oktober 2007 um 5,9% an.
Die genannten Entwicklungen sind natürlich nicht nur in Bezug auf die Einnahmeseite der Sozialversicherungsträger problematisch, sondern auch für die Einkommenssituation der Erwerbstätigen. Die Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe bedeutet bei der aktuellen realen Inflationsrate von rund 3% ein Minus von fast 4%, was die gerade im Weihnachtsgeschäft beklagte "Konsumzurückhaltung" als überwiegend schlichten Mangel an ausgabefähigen Einkommen erklärt.

Zur Lohnentwicklung und auch vielen weiteren wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen liefern die Rundbriefe des "Infoportals Deutschland & Globalisierung", zuletzt im Rundbrief 35 aktuelle und verständliche Informationen.

• Die zähe Zunahme der Lohneinkommen schaffen selbst die Autoren der Bundesbank in der November 2007-Ausgabe ihres Monatsberichts nicht mehr wegzuformulieren: "Mit der Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt sind auch die Tarifabschlüsse im laufenden Jahr etwas höher ausgefallen. … Trotz der höheren Abschlusssätze (in der Industrie) blieb der Lohnkostendruck im bisherigen Jahresverlauf insgesamt recht verhalten. Dies liegt zum einen daran, dass im Dienstleistungsbereich Tarifabschlüsse aus Vorjahren nachwirken, die für das laufende Jahr keine oder nur geringe Lohnanhebungen vorsehen, zum anderen sind Tarifverträge ausgelaufen, ohne dass bisher ein Anschlussvertrag vereinbart wurde. Schließlich sehen einige Neuabschlüsse eine Anhebung erst im Jahr 2008 vor."

• Das gerade angemerkte "Nachwirken" früherer niedriger Tarifabschlüsse im Dienstleistungsbereich wirkt sich wegen einer der strukturellen Besonderheiten der Zunahme sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung besonders aus. In den Worten des Statistischen Bundesamtes ist der nämlich bis zum 3. Quartal 2007 u.a. durch Folgendes geprägt: "Zu dem Beschäftigungsaufbau haben die verschiedenen Wirtschaftsbereiche unterschiedlich stark beigetragen. Maßgeblichen Anteil hatten die Dienstleistungsbereiche, in denen die Zahl der Erwerbstätigen im dritten Quartal 2007 insgesamt um 496.000 Personen (+ 1,7%) gegenüber dem Vorjahr zunahm. Weiter zulegen konnte im Vorjahresvergleich auch das Produzierende Gewerbe (ohne Baugewerbe) mit Beschäftigungsgewinnen von 109.000 Personen (+ 1,4%) im dritten Quartal 2007, nach Zuwächsen von 87.000 Personen (+ 1,1%) im zweiten Quartal und 67.000 Personen (+ 0,9%) im ersten Quartal. Demgegenüber fiel im Baugewerbe das Beschäftigungsplus mit 18.000 Personen (+ 0,8%) im Berichtsquartal deutlich geringer aus als noch zu Jahresbeginn - im ersten Quartal 2007 lag der Zuwachs noch bei 106.000 Personen (+ 5,2%). In der Land- und Forstwirtschaft wuchs die Beschäftigung im Berichtsquartal mit 9.000 Personen (+1,0%) in etwa wie im Vorquartal (+10.000 Personen oder + 1,2%)."

• Aufgrund der sektoral unterschiedlichen Beschäftigungsdynamik und weiteren Faktoren handelt es sich bei der Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer auch laut der Bundesagentur für Arbeit nicht ausschließlich um eine Zunahme von Vollzeitstellen mit damit evtl. höheren Einkommen, sondern "etwa die Hälfte der Beschäftigungszunahme (entfällt) auf sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen. Die Zahl der ausschließlich geringfügig entlohnt Beschäftigten betrug nach ersten Hochrechnungen der Bundesagentur für Arbeit im August (2007) 4,86 Millionen (von insgesamt 27,17 Millionen Arbeitnehmern mit Sozialversicherungspflicht), 81.000 mehr als vor einem Jahr (+1,7%)." In anderen Studien, wie etwa die der Hans Böckler Stiftung, gab es 2007 rund 7 Millionen geringfügig beschäftigte und entlohnte Erwerbstätige.

• Eine weitere strukturelle Besonderheit der Entwicklung des Erwerbstätigenpotenzials in Deutschland, nämlich der hohe Anteil von Teilzeitbeschäftigten als einer der vielen Formen atypischer Beschäftigung, trägt auch erheblich zur Stagnation der beitragsfähigen und konsumfähigen Einkommen bei. Die letzten verfügbaren Daten des Statistischen Bundesamtes aus der neuen vierteljährlichen Verdiensterhebung zeigen dazu unter zusätzlicher Berücksichtigung der Ost-West-Unterschiede für das zweite Quartal 2007 folgendes: Vollzeitbeschäftigte im Produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich verdienten in den alten Ländern (mit Berlin-Ost) 18,79 Euro brutto pro Stunde (ohne Umrechnung von Sonderzahlungen). In den neuen Bundesländern (Ohne Berlin-Ost) belief sich dieser Betrag auf durchschnittlich 13,27 Euro, d.h. auf 70,6% der Westlöhne. Teilzeitbeschäftigte verdienten im selben Quartal im Westen 14,56 Euro und im Osten 11,79 Euro, d.h. 81% des durchschnittlichen Bruttoverdienstes pro Stunde in den alten Bundesländern. Die westdeutschen Teilzeitbeschäftigten verdienten damit 77,5% der durchschnittlichen Bruttostundenverdienste der westdeutschen Vollzeitbeschäftigten. In den neuen Bundesländern liegen die Stundenverdienste der Teilzeitbeschäftigten um 11,2% unter denen der dortigen Vollzeitbeschäftigten.

• Schließlich und endlich wirkt sich in dem bisher skizzierten Einflussgeflecht noch zusätzlich und eigenständig eine ebenfalls strukturelle Eigenart der internen Einkommenstrukturen von Erwerbstätigen in Deutschland aus: Der Abstand der durchschnittlichen Bruttostundenverdienste zwischen Männern und Frauen oder der so genannte "gender pay gap". Hierzu veröffentlichte wiederum das Statistische Bundesamt schon im März 2007 eine knappe Übersicht. Dort wird folgendes festgestellt: "In den letzten 10 Jahren bewegte sich der Gender Pay Gap für Deutschland überwiegend zwischen 21 und 23 %. Der Durchschnittswert der europäischen Länder und Ihrer Beitrittskandidaten lag 2004 bei 15%. Die höchsten Verdienstabstände wiesen Estland (24%), Zypern (25%) und die Slowakei (24%) auf. Malta ist mit einem Gender Pay Gap von 4 % dagegen das Land mit dem niedrigsten Verdienstabstand. … Untersucht man den Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern mit Hilfe einer Strukturerhebung, die zusätzlich auch noch Auskunft über Faktoren gibt, die den Verdienst beeinflussen, wird das Bild klarer. Die unterschiedlichen Durchschnittsverdienste von Frauen und Männern lassen sich teilweise auf Unterschiede in der weiblichen und männlichen Arbeitnehmerstruktur zurückführen. Frauen arbeiten häufiger in kleinen Unternehmen und in Wirtschaftszweigen mit niedrigeren Verdienstniveaus. Frauen sind viel seltener in Führungspositionen mit hohen Verdiensten und üben viel häufiger einfachere Tätigkeiten aus, die schlechter bezahlt werden. Auch das Alter spielt eine Rolle: Berufstätige Frauen sind im Durchschnitt jünger als ihre Kollegen und gehören überwiegend Altersklassen an, in denen auch Männer niedrigere Verdienste erzielen. In den Altersklassen, in denen Männer dagegen ihre höchsten Verdienste erzielen, sind Frauen bei den Vollzeitbeschäftigten unterrepräsentiert. Überdurchschnittlich häufig sind sie als Teilzeitbeschäftigte oder als Geringfügig Beschäftigte tätig."

Wenn nun einerseits erfreulicherweise Frauen mit zu den Trägern bzw. "Gewinnern" des Aufschwungs am Arbeitsmarkt gehören, tragen sie bzw. die sie beschäftigenden und entlohnenden Arbeitgeber andererseits bei ansonsten unveränderten Strukturen ihrer Erwerbstätigkeit (Teilzeitarbeit im Dienstleistungsbereich) unerfreulicherweise zur Stagnation oder nur zähen Zunahme der Brutto-Gesamteinkommen in Deutschland bei.

Ohne hier auch noch auf die in diesem Zusammenhang natürlich auch relevante Debatte über Mindestlöhne eingehen zu wollen, zeigen alle jeweils spezifisch wirkungsvollen Einflussfaktoren auf die Finanzierungsbedingungen der Sozialversicherungsträger, dass deren Einnahmeschwäche nicht durch die Perpetuierung von Beitragserhöhungen gemildert oder beseitigt werden kann, sondern nur durch eine Beseitigung wesentlicher dieser Einflussbedingungen im Einkommensbereich.

Die Grundsatzdebatten darüber, ob z. B. die GKV statt weiter durch Beiträge auf Einkommen auf eine Steuerfinanzierung umgestellt werden sollte, helfen allein schon dadurch nicht viel, weil natürlich auch dieser Steueranteil in irgendeiner Weise über Lohn- und Einkommensteuern finanziert werden muss, die sich wiederum am Erwerbseinkommen orientieren.

Auch hier gilt also der alte Merksatz des Nationalökonomen Mackenroth, der 1952 gegen die bereits damals diskutierten Ideen des Umstiegs von der Beitrags-/Umlage- in eine Kapitalanspar-Finanzierung in der deutschen Sozialversicherung folgendes anmerkte: "Nun gilt der einfache und klare Satz, daß aller Sozialaufwand immer aus dem Volkseinkommen der laufenden Periode gedeckt werden muß. Es gibt gar keine andere Quelle (…) aus der Sozialaufwand fließen könnte, es gibt keine Ansammlung von Fonds, keine Übertragung von Einkommensteilen von Periode zu Periode, kein 'Sparen' im privatwirtschaftlichen Sinne -, es gibt einfach gar nichts anderes als das laufende Volkseinkommen als Quelle für den Sozialaufwand." (41) (Mackenroth, Gerhard 1952: Die Reform der Sozialpolitik durch einen deutschen Sozialplan. In: Schriften des Vereins für Socialpolitik, N.F. 4, 39-76.)

Bernard Braun, 16.12.2007