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Was bedeutet das "Abspecken des Mittelschichtbauchs" für die finanzielle Situation der Sozialversicherungsträger in Deutschland?

Artikel 1203 Zu den Bedingungen einer langfristig funktionierenden solidarischen Finanzierung von einkommensabhängig finanzierten Sozialversicherungssystemen gehört eine bestimmte Verteilung der Einkommen. Je polarisierter die Einkommensverteilung in niedrige und hohe Einkommen oder je abgespeckter der "Bauch" mittlerer Einkommen ist, desto stärkere Finanzierungsprobleme gibt es, wenn gleichzeitig die Einnahmen- und Ausnahmenbedingungen gleich bleiben und Personen mit höherem Einkommen uneingeschränkt in eine private Krankenversicherung gehen können.

Und genau einen dramatischen Schwund der Mittelschicht in Deutschland berichtet nun das "Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)" unter der Überschrift "Schrumpfende Mittelschicht - Anzeichen einer dauerhaften Polarisierung der verfügbaren Einkommen?" in seinem Wochenbericht vom 5. März 2008 (10/2008, 5. März 2008: 101-108).

Die auf Basis der langjährigen Erhebungen des "Sozio-ökonomischen Panels (SOEP)" gewonnenen Erkenntnisse sind im Wesentlichen folgende:

• Der Anteil der Bevölkerung, die über ein Einkommen in der Nähe des statistischen Mittels verfügt, ist in den vergangenen sieben Jahren von 62,3 auf 54,1 Prozent gesunken.
• Diese Entwicklung lässt sich auch noch aus folgender differenzierten Betrachtung unterstreichen: In der Periode schwachen wirtschaftlichen Wachstums bis 1998 lag das mittlere bedarfsgewichtete Jahreseinkommen, (also das arithmetische Mittel der Jahreseinkommen - Einfügung des Verfassers), stabil bei rund 17 000 Euro. Der anschließende Aufschwung hatte einen deutlichen Zuwachs auf über 19 000 Euro (im Befragungsjahr 2003) zur Folge. Danach gingen die realen Einkommen wieder zurück. Gemessen am Median - dem Einkommen, das die obere von der unteren Hälfte der Einkommensbezieher trennt - fiel der Zuwachs im Zeitraum von 1992 bis 2006 mit weniger als 900 Euro deutlich geringer aus."
Die Schlussfolgerung des DIW lautet dann auch: "Der Unterschied im Verlauf zwischen dem arithmetischen Mittel und dem mittleren Einkommen (Median) deutet darauf hin, dass die zwischenzeitlich erzielten Wohlfahrtsgewinne nicht der gesamten Bevölkerung gleichermaßen zugute kamen. Die Einkommen der oberen Hälfte der Einkommensbezieher sind schneller gewachsen als die der unteren Hälfte, das heißt, die Einkommensungleichheit hat zugenommen."
• Sozial- und sozialversicherungspolitisch noch brisanter ist eine ebenfalls zu beobachtende "klare Verfestigung der Einkommensschichten": "Während zwischen 1996 und 2000 nur rund 54% aller armutsgefährdeten Personen auch nach fünf Jahren noch in dieser Einkommensschicht waren, lag die Beharrungsquote für den Zeitraum 2002 und 2006 bei mehr als 60%." Gleichzeitig konnten sich die Einkommensstarken im zweiten Zeitraum im höheren Maße (69% mit einer Zunahme von 5 Prozentpunkten) in dieser Einkommensposition halten und ihre Position ausbauen.
• Spiegelbildlich dazu ist der Anteil der Deutschen mit extrem niedrigen oder extrem hohen Einkommen gestiegen: So hat sich der Anteil der Niedrigverdiener (als Niedrigverdiener bezeichneten die DIW-Forscher die Bezieher von Einkünften mit weniger als 70% des Durchschnitts) seit dem Jahr 2000 von 18,9% auf mehr als 25,4% erhöht. Der Anteil der Spitzenverdiener (als Spitzenverdiener galten Deutsche mit Einkünften von mehr als 150% des Durchschnitts) ist im selben Zeitraum von 18,8 auf 20,5% gestiegen.
• Insgesamt seien in den vergangenen sieben Jahren demnach fünf Millionen Deutsche aus der Mittelschicht in den Randzonen der Gesellschaft gelandet.
• Kein Wunder ist nach diesen Zahlen dann der sich auf einem "historischen Höchststand" befindliche Anteil der Mittelschichtsangehörigen, die sich 2005 "große Sorgen" um ihre wirtschaftliche Situation machte: 26%!

Da die Einwohner mit höherem Einkommen meist nicht in der Gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind oder ihr Beitrag zu einer gesetzlichen Krankenkasse über der so genannten Beitragsbemessungsgrenze sowieso nicht mehr weiter steigt, führt der Schwund der Mittelschicht zu Einnahmensverlusten, die nur durch Beitragssatzerhöhungen, Leistungsreduktionen oder sozialpolitische Maßnahmen wie allgemeine Einkommenserhöhungen oder eine deutliche Erhöhung der Bemessungsgrenze kompensiert werden könnten.

Die kritischen Hinweise eines Mitarbeiters des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) darauf, dass die DIW-SOEP-Daten zuletzt für das Jahr 2005 vorlägen und mithin noch nicht die Auswirkungen des jüngsten Konjunkturaufschwungs berücksichtige, sind zutreffend, ändern aber nichts an der berichteten Grundtendenz.
Dies bestätigt auch folgender Passus aus der IW-Anmerkung: "Weniger dramatisch ist die Situation aus Sicht der Mittelschicht selbst. Trotz der erwähnten deutlichen Zunahme der Arbeitslosigkeit waren 75 Prozent der Mittelschichtler des Jahres 2001 auch im Jahr 2005 wieder in dieser Einkommensschicht vertreten. Zwar rutschten 14 Prozent nach unten ab, aber immerhin 11 Prozent gelang der Sprung in die Gruppe der Einkommensstarken." Auch hier wird deutlich, dass ein deutlich größerer Anteil der Mittelschicht absteigt.

Die komplette Ausgabe des DIW-Wochenberichts mit dem von Markus Grabka und Joachim Frick verfassten Beitrag "Schrumpfende Mittelschicht - Anzeichen einer dauerhaften Polarisierung der verfügbaren Einkommen?" ist als PDF-Datei zugänglich.

Bernard Braun, 17.4.2008