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GKV
Beitragssatz, Finanzierung, GKV-PKV


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Einmal im Niedriglohnsektor, immer im Niedriglohnsektor? - Daten zur Erwerbsstatusmobilität in Deutschland.

Artikel 1262 Wie bereits mehrfach im Forum-Gesundheitspolitik berichtet wächst der Niedriglohnsektor in den letzten Jahren kontinuierlich an. Bereits jeder sechste Vollzeitbeschäftigte gehört zu den Geringverdienern.

Damit ist nicht nur eine prekäre Einkommenssituation dieser Erwerbstätigen verbunden, sondern in einem von der Einkommenssituation abhängigen beitragsfinanzierten Sozialversicherungssystem dessen Stabilität, die Leistungsfähigkeit u.a. der gesundheitlichen Versorgung und die Nettolohnhöhe der außerhalb des Niedriglohnsektors beschäftigten Beitragszahler.

Entsprechend den internationalen Gepflogenheiten wurde in der Studie die Niedriglohnschwelle bei zwei Dritteln des Medianlohns der Vollzeitbeschäftigten angesetzt. Der Medianlohn ist ein Durchschnittslohn, allerdings nicht im Sinne eines arithmetischen Durchschnitts: Die Hälfte aller Beschäftigten verdient mehr, die andere Hälfte weniger als den Medianlohn. Dieser Definition folgend lag die deutsche Niedriglohnschwelle im Jahr 2005 in Westdeutschland bei 1.779 Euro brutto, in Ostdeutschland bei 1.323 Euro brutto. Überstunden, Prämien, Weihnachts- und Urlaubsgeld sind darin anteilig enthalten.

Eine theoretisch mögliche Teillösung dieser Konstellation wäre eine hohe und schnelle Fluktuation der Mehrheit der Niedriglohnverdiener in höhere Einkommens- und daher auch Beitragsbereiche.

Diese Hoffnung zerstört nun eine gerade veröffentlichte Studie des "Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)" und des Lehrstuhls für Arbeitsmarkt- und Regionalpolitik der Universität Erlangen-Nürnberg, die dazu die "schwach anonymisierte Version des Beschäftigtenpanels der Bundesagentur für Arbeit (kurz: BAP)" auswerteten:

• Etwa jeder dritte Geringverdiener von 1998/99 war nämlich sechs Jahre später immer noch im Niedriglohnbereich beschäftigt. Nur jedem Achten gelang der Sprung über die Niedriglohnschwelle.
• Ebenfalls jeder Achte wechselte in eine Teilzeit- oder geringfügige Beschäftigung. Jeder Zehnte wurde arbeitslos. Nahezu jeder dritte Geringverdiener schied aus der statistischen Auswertung aus, da er sich ganz aus dem Erwerbsleben zurückzog oder eine selbstständige Tätigkeit aufnahm.
• Frauen sind von niedrigen Löhnen überproportional betroffen. Sie stellen nur gut 35 % aller Vollzeitbeschäftigten, aber fast 60 % der vollzeitbeschäftigten Geringverdiener. Frauen sind zudem besonders gefährdet, im Niedriglohnsektor zu verbleiben: Bei den Männern schaffte rund jeder fünfte innerhalb von sechs Jahren den Sprung über die Niedriglohnschwelle, bei den Frauen nur jede zehnte.
• Mit der Betriebsgröße nehmen die Aufstiegschancen zu. So ist die Wahrscheinlichkeit, die Niedriglohnschwelle innerhalb von sechs Jahren hinter sich zu lassen, in einem Großbetrieb mit über 500 Mitarbeitern mehr als doppelt so hoch wie in Kleinbetrieben mit maximal 20 Beschäftigten.
• Auch ein Betriebswechsel führt oft zu einer Verbesserung: Bei jenen, die im Betrieb bleiben, schafft nur jeder sechste den Aufstieg - bei den Betriebswechslern fast jeder zweite. Dies sei allerdings wenig überraschend, da der höhere Lohn oft Grund für den Betriebswechsel sein dürfte, so die Autoren der Studie.

Weitere Ergebnisse können dem kostenlos als IAB-Kurzbericht 8/2008 erhältlichen achtseitigen Studienbeitrag "Niedriglohnbeschäftigung Sackgasse oder Chance zum Aufstieg?" von Thorsten Schank, Claus Schnabel, Jens Stephani und Stefan Bender entnommen werden.

Bernard Braun, 9.6.2008