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GKV
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Ungleich, ungleicher, Vermögensverteilung in Deutschland - Wie schwer hätte es eine Bürgerversicherung aktuell?

Artikel 1469 Glaubt man den letzten Wahlergebnissen und den Prognosen ist zwar bei der Bundestagswahl im September 2009 eine parlamentarische Mehrheit für die Einführung der vor der letzten Bundestagswahlen u.a. von der SPD, den Grünen und den Gewerkschaften debattierten Bürgerversicherung (vgl. dazu und zur Debatte über das Kopfpauschalenmodell der CDU die umfassende Quellensammlung der Arbeitnehmerkammer Bremen), die durch Beiträge auf Erwerbseinkommen und Einkünften aus Vermögen finanziert werden sollte, eher unwahrscheinlich.

Trotzdem ist ein regelmäßiger Blick auf die Entwicklung der Vermögensverteilung und der Einkünfte aus Vermögen und Investitionen in zweifacher Hinsicht aus Sicht der möglichen künftigen Finanzierung der Gesundheitsversorgung interessant und wichtig: Zum einen zeigt er die relative Verringerung der Finanzierung aus Erwerbseinkommen und damit auch selbst bei sonst unveränderten Umständen eine schwächer werdende erwerbseinkommenbezogener Finanzierungsbasis der Sozialversicherungsträger. Zum zweiten kann daran aber auch ermessen werden, welcher Widerstand gegen Pläne zu erwarten sein würde, die Einkünfte aus Vermögen zur Finanzierung von Sozialversicherungsträger "verbeitragen" zu wollen.

Wie der bereits ausführlicher im Forum-Gesundheitspolitik vorgestellte "Verteilungsbericht 2008 des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung zeigte, sind die Einkommen aus Gewinnen und Vermögen in Deutschland brutto wie netto noch einmal gestiegen und erreichten 2008 einen historischen Spitzenwert: 2007 machten sie netto 34 % des privat verfügbaren Volkseinkommens aus, im ersten Halbjahr 2008 waren es 35,8 %. 1960 hatte diese Einkommensart noch einen Anteil von 24,4 %, 1990 waren es 29,8 % und im Jahr 2000 lag die Quote bei 30,8 %. Besonders stark wuchsen dabei zuletzt die Unternehmensgewinne und vor allem die Gewinne von Produktionsunternehmen. Da nach den Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) lediglich rund vier Prozent der Erwachsenen in Deutschland Betriebsvermögen besitzen, kommen die Gewinne einem sehr kleinen Personenkreis zu gute.

Der Wochenbericht 4/2009 vom 21. Januar 2009 des "Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DWI)" beschäftigt sich u.a. mit der Entwicklung der Vermögensverteilung und deren Stand im Jahr 2007.
Auf einem bereits hohen Niveau der Ungleichverteilung wird nach Berechnungen auf der Datenbasis des "Sozioökonomischen Panels (SOEP)" die Verteilung immer ungleicher: Im Jahr 2002 besaß das oberste Fünftel der deutschen Bevölkerung 76,9 % allen Vermögens, 2007 schon 80,1 %. Diese schon beeindruckende Konzentration des Vermögens wird noch deutlicher wenn man sieht, dass das oberste Zehntel 2002 57,9 % und 2007 61,1 % des gesamten Vermögens in der Bundesrepublik Deutschland besaß.

Dieser Vermögensbesitzer-Spitze stehen an der anderen Seite der Vermögensverteilung 27 % der Bevölkerung gegenüber, die kein Vermögen oder sogar "Negativvermögen", d.h. Schulden haben. So war es beim untersten Zehntel der Bevölkerung, das 2002 Schulden hatte, die einem Umfang von 1,1 % am Gesamtvermögen entsprachen, ein Wert, der 2007 bereits 1,6 % betrug.

Ein wesentlicher Treibsatz dieser ungleichen Entstehung von Vermögen sind die relativ hohen und noch wachsenden Einkommen der Spitzenverdiener, die daraus auch wesentlich mehr sparen können als die Bezieher niedrigerer Einkommen. So betrug 2003 die Sparquote der Personen mit einem durchschnittlichen Netto-Monatseinkommen von 8.868 € 22,2 %. Wer netto 3.061 € pro Monat verdiente sparte 9,8 % und Personen mit weniger als rund 1.200 € konnten gar nichts sparen bzw. hatten eine "Entsparquote" von -13 % (bei einem Monatseinkommen von 699 €).

Zur Höhe des privaten Vermögens stellte einer der DIW-Autorinnen fest: "Im Jahr 2007 betrug das Nettovermögen nach Abzug von Hypotheken und Konsumentenkrediten etwa 6,6 Billionen Euro. Pro Erwachsenen bedeutet das ein individuelles Vermögen von mehr als 88 000 Euro im arithmetischen Mittel. Wenn man die Bevölkerung nach der Höhe des Vermögens sortiert und die untere und obere Hälfte teilt, liegt der Wert des mittleren Vermögens gerade einmal bei 15 000 Euro."

Da die DIW-Autoren betonen, dass durch die seit dem 1. Januar 2009 geltende Abgeltungssteuer "vermögende und damit oft auch einkommensstarke Gruppen besonders ... profitieren werden" ist fast abzusehen, dass selbst geringfügige Belastungen der Einkünfte aus diesem Vermögen auf den Widerstand der Betroffenen treffen werden oder solche Eingriffe nicht erfolgen werden.

Der materialreiche Aufsatz "Gestiegene Vermögensungleichheit in Deutschland von Joachim R. Frick und Markus M. Grabka im DIW-Wochenbericht 4/2009 (Seite 54-67) ist kostenlos und komplett als PDF-Datei erhältlich.

Bernard Braun, 25.1.09